Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Graetz. 344 In den Jahren 1842—45 besuchte ich die Königliche Universität zu Breslau, wo ich mich besonders auf Geschichtsstudien, auf die orientalische Philologie unter Anleitung des Herrn Professors Bernstein und in vertrautem Umgänge mit demselben, sowie auf die philosophischen Disziplinen im Umgänge mit Herrn Professor Braniß verlegte. Im Jahre )845 erlangte ich an einer außerpreußischen Universität den Doktorgrad, weil es nach den Statuten der Breslauer Universität den jüdischen Studierenden damals nicht gestattet war, an derselben zu promovieren. Inzwischen war ich auf dem Gebiete der jüdischen Wissen- Schaft literarisch tätig. Im Jahre 1845 schrieb ich in der Frankelsehen Zeitschrift für die Interessen des Judentums eine Abhandlung »über die tieferen Motive einiger Varianten in der Septuaginta», und in dem Literaturblatt des Orients desselben Jahrganges: »Beiträge zur Sprache der Mischna«, eine eingehende Rezension des Geigersehen Lehrbuches zur Mischna. — Im folgenden Jahre veröffentlichte ich eine selbständige Schrift: »Gnostizismus und Judentum«, worin ich auf die gnostische Bewegung innerhalb des Judentums im zweiten Jahrhundert aufmerksam machte; und in demselben Jahre lieferte ich zur Frankelschen Zeitschrift zwei längere Artikel, »die Konstruktion der jüdischen Geschichte« betitelt. Im Jahre 1847 erschien von mir in Zeller’s Jahrbüchern für Theologie eine Abhandlung über die »angebliche Fortdauer des Opferkultus nach der Zerstörung des Tempels«. Um die Leitung der Religionsschule für die alte israelitische Gemeinde in Breslau zu übernehmen, hospitierte ich an dem Königliehen katholischen Schullehrer-Seminar zu Breslau, begünstigt durch das humane Entgegenkommen des Seminardirektors Bauke und der übrigen Herren Oberlehrer, und erlangte nach abgelegter Prüfung im Jahre 1847 das Rektoratsprüfungszeugnis, welches ich mir hier beizulegen erlaube. Doch stand ich der Religionsschule kaum ein Jahr vor, weil dieselbe sich infolge der eingetretenen Erschütterungen des Sturmjahres 1848 nicht länger zu halten vermochte. Im Jahre 1849 folgte ich dem Rufe, der von dem