Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich •Graetz. 341 wurzelnde Liebe und Verehrung für das Gotteswört der wesentlichste Antrieb zu dem Versuche, den Text der heiligen Urkunden, dieses »Krontresors der Menschheit«, durchdiereinigende Arbeit der Kritik in seinem alten Glanze neu aufleuchten und erstrahlen zu lassen. Sonst in den Fragen der Bibelkritik dem Zerstören grundsätzlich abhold, und in steter Fehde gegen die Phantasien und Machtsprüche der modernen Exegese begriffen, wurde er in Sachen der Textkritik allmählich ein schonungsloser Eiferer, der die Buchstabengläubigen wie Fetischanbeter rücksichtslos bekämpfte. Wenig Zustimmung und vielen lauten Wider- Spruch hat in diesem Bereich sein nachgelassenes Buch »Emendationes in plerosque sacrae scripturae libros« gefunden1), wenngleich auch hier sein tiefblickender Scharfsinn und seine geistvollen Kombinationen von Freund und Feind anerkannt und bewundert werdeij-־). Unbestritten aber bleibt sein Ruhm als Geschichtsschreiber unseres Volkes. Auch an äußeren Ehren und Auszeichnungen hat es ihm dafür nicht gefehlt. Schon im Jahre 1870, als er den Hauptteil des Werkes soeben beendigt hatte, wurde er zum Honorarprofessor־ an unserer hiesigen Universität ernannt, derselben Universität, an der er einst nur nach Überwindung großer Schwierigkeiten zur Immatrikulation zugelassen worden war. Im Jahre 1887 bat ihn die englische Judenheit, bei der jüdischgeschichtlichen Ausstellung in London die Eröffnungs-Vorlesung zu halten, und als ein Werk ausgleichender Gerechtigkeit mußte es ihm erscheinen, als die Königlich Spanische Akademie der historischen Wissenschaften zu Madrid ihn, den, unbefangenen Darsteller und scharfen Beurteiler der Judenvertreibung aus Spanien, zu ihrem Ehrenm itgliede ernannte. In alle Sprachen, deren die Juden sich bedienen, in die J) a. a. O. NNr. 381. 3S2. 384. 2) Über Graetz als Exegeten vgl. ferner Kaufmann, a. a.. O. S. 379. Bloch, a. a. O. S. 100 bis 105 und besonders die Abhandlung von Borges im vodiegenden Hefte S. 367 h.