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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 340

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 340 (sequence 20)
Language
German
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340־ Heinrich Graefz. Leben verbittern lassen. Übrigens sind gerade die heftigen und erbitterten Angriffe, die er wegen mancher Urteile gleichzeitig von rechts und links erfahren hat, selbst schon ein schlagender Beweis dafür, daß er gerade in diesen Fällen das Richtige getroffen haben wird1). Gern gönnte er jedem redlich mitstrebenden Forscher das Verdienst, einzelne Gebiete des gemeinsamen Arbeitsfetdes, mit neuen Hilfsmitteln ausgerüstet, anders zu beleuchten und einzelne Zusammenhänge richtiger darzustellen. Der Ruhm wird ihm bleiben, daß er ungleich mehr als ein bloßer Erzähler und Bearbeiter seines Notizenkrams, daß er vielmehr der erste wahrhaft jüdische Geschichtsschreiber gewesen ist. Mit feinem Ohr hat er überall die tief rauschenden Quellen, welche das Seelenleben unseres Volkes durchströmen, erlauscht, und dieses historische Feingefühl befähigte ihn, sich mit congenialem Verständnis in die Erforschung der heiligen Schrift zu versenken. Dieser weiteren umfassenden Aufgabe hat er, besonders als sein großes Lebenswerk vollendet war, seinen ganzen Fleiß und seine ganze Arbeitskraft gewidmet, freilich aber auch schon vorher sehr zahlreiche äußerst wertvolle und ergebnisreiche Abhandlungen in diese »Monatsschrift für Geschichte und Wissen- Schaft des Judentums« herausgegeben2). In Büchern erschienen als die ersten Früchte seiner unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit schon 1871 seine kritischen Erläuterungen zu Koheleth und dem hohen Liede und ein Jahrzehnt später sein zweibändiger Kommentar zu den Psalmen3). Überall war er mit erstaunlichem Spürsinn darauf bedacht, durch Benutzung aller erreichbareil Hilfsmittel der Schwierigkeiten im Schrifttext Herr zu werden und vor allem den Wortlaut der Gottesbücher da, wo er ihm durch Unachtsamkeit oder sonstige Unfälle im Verlauf der Jahrtausende verdunkelt und verderbt erschien, wiederherzusteilen. Dabei war ihm seine tiefe, in religiöser Innigkeit ג) Ein klassisches Beispiel dafür ist sein Urteil über die religiöse. Retormbewegung im 19. Jahrhundert Bd. XI2, S. 370 ff. 510 ff. •‘2) Vgl. oben S. 336, Anm. 2. 3) Verzeichnis NNr. 149. 150. 280. 299. 300.

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