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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 338

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 338 (sequence 18)
Language
German
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338 Heinrich Graetz. und Künstler zugleich sein, seine Wurzeln müssen in das Erdreich tiefgrabender Forschung so weit hinunterreichen, als sein Gezweige sich hoch in den Luftkreis geschichtlicher Erkenntnis und Kultur erheben soll. Wohl hatte der christliche Gelehrte Jakob Basnage de Beauval im Anfang des 18. Jahrhunderts eine jüdische Geschichte bis auf seine Zeit geschrieben, und an Isaak Markus Jost hatte Graetz sicher einen verdienstvollen Vorgänger unter seinen Glaubensgenossen. . Allein die Vergleichung beider Leistungen fällt nur zu Gunsten der letzten aus. Freilich hat Jost mit nicht hoch genug anzuerkennendem Fleiße allen ihm erreichbaren Stoffe gesammelt und sorgsam verzeichnet. Freilich hat er sich redlich bemüht, die ־ zusammengetragenen Notizen in einen erträglichen Zusammenhang zu bringen und eine Faden durch das Labyrinth der Ereignisse zu finden. Freilich ist es ihm in gewissem Umfange gelungen, durch sein Beispiel den Sinn für geschichtliche Forschung zu erwecken1). Weil ihm aber in seiner nüchternen, von ödem Rationalismus angekränkelten Weltanschauung das überlieferte Judentum ein überwundener Standpunkt war, gebrach es ihm an der Kraft, die gewaltigen Stoffmassen, denen er gleichgültig gegenüberstand, geistig zu durchdringen und zu beleben. Für Graetz dagegen ist das Judentum ein lebendiger Organismus und dabei sein eigenstes, teuerstes und kostbarstes Gut und Erbe gewesen. Der Zersplitterung und Zersetzung, die seinen Fortbestand bedrohten, hat er sich mit aller Herzensglut, mit aller Geisteskraft, deren er fähig war, entgegengestemmt und mit glücklichem Griff ein vortreffliches Heilmittel gegen die bösen Schäden gefunden und angewendet. Er hat die Zeitgenossen und die Nachlebenden gelehrt, die gewaltigen Geistesschöpfungen ihrer mehrtausendjährigen Vergangenheit aus ihrer chaotischen Unordnung zu befreien, sie als ein organisches Ganzes aufzufassen und zu erkennen und darin einen inneren Zusammenhang, eine notwendige Aufeinanderfolge, eine gegenseitige Entwickelung, eine *) So hat ihn Graetz selber XI2, S. 411 f. gewürdigt.

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