Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Graetz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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Heinrich Graetz. 329 Jahre von unbegrenztem gegenseitigen Vertrauen getragen, überreich an entzückenden Anregungen gingen so dahin, bis der junge Graetz in dem immer machtvoller sich entfaltenden Streben, sich endgültig einem bestimmten Lebensberuf zuzuwenden, sich entschloß, den verehrten Lehrer zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. Freudig begrüßten ihn daheim die jugendgenossen als einen Schüler des von allen gefeierten Mannes. Die Gemeinden, in denen er bekannt war, Zerkow, Wollstein und Kosten, wo die Eltern damals wohnten, forderten ihn auf, Predigten bei ihnen zu halten. Wenn er auch einen durchschlagenden Erfolg damit nicht erzielte, waren doch alle darin einig, daß er jetzt studieren und den Doktorgrad erwerben müsse. Denn schon gab es selbst in der Provinz Posen hier und da akademisch gebildete Rabbiner und Prediger. Ein solcher zu werden, war das nächste Ziel, dem er zustrebte. Die Mittel, um den neuen Lebensplan durchzuführen, suchte er als Hauslehrer zu gewinnen1). Seiner Tatkraft gelang es auch, die großen Schwierigkeiten, die seiner Zulassung zur Hochschule im Wege standen, schließlich zu besiegen, und nach zwei. Jahren war die erste Wegstrecke zurückgelegt. Im Wintersemester 1842 öffneten sich ihm die Hörsäle der Breslauer Universität. Geschichtliche, philosophische und orientalistische Vorlesungen zogen ihn am meisten an. Bei dem reifen Urteil und dem reichen Wissensstoff, den der fünfundzwanzigjährige Student mitbrachte, fand er nur bei wenigen Darbietungen volle Befriedigung. Am meisten interessierte ihn noch das Studium ף Im Hause des Kaufmanns Jakob Weh lau inOstrowo war er als Hofmeister für die heranvvachsenden Kinder tätig, vgl. Bloch, a. a. O. S. 38 f. Über Wehlau vgl. Freimann,. Gesch. der isr. Gemeinde in Ostrowo, S. 17, Anm. 3. Er war der Schwiegersohn des Schneidemühler Rabbiners R. Nathan Nata b. Jesaia Scheier (st. 25. X. 1862), des Vorgängers meines Vaters in diesem Amte, vgl. meine Geschichte des Rabbinats in Schneidemüh!, S. 35. Eine Sammlung von Aufsätzen und Gelegenheitsgedichten in trefflichem Hebräisch, von Wehlau selber angelegt, besitzt die Bibliothek unseres Seminars.