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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 324

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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324 Heinrich Graetz. Inmitten dieser miteinander ringenden Gegensätze, in dieser geistigen Heimat, auf diesem kulturellen Nährboden mußte der junge Graetz seinen Lebens- und Bildungsgang zurücklegen. Schon früh machte sich die außerordentliche Begabung des Knaben bemerkbar. Seine Eitern, die sich von einem unbedeutenden־ Fldschereibetrieb kümmerlich ernährten, waren zu allen Opfern für ihren ältesten Sohn bereit. Ihm eine regelmäßig geordnete höhere Bildung zu verschaffen, ging aber weit über ihre Kraft. Er selbst berichtet darüber in seiner Lebensbeschreibung, die er vor dem Antritt seines Amtes für die staatliche Aufsichtsbehörde des jüdisch-theologischen Seminars niederschrieb1), Folgendes: »Mein Wissensdrang bestimmte meine Lebensrichtung. Meine Eitern, wie״ wohl wenig bemittelt, nährten diese Neigung, gaben mir die besten Lehrer und brachten die größten Opfer, um meinen Eifer nicht erkalten zu lassen. Weil aber der Aufenthaltsort meiner Eitern keine Gelegenheit zu einer höheren Ausbildung bot, schickten sie mich im dreizehnten Jahre nach einer größeren Stadt, wo ich neben den jüdisch-theologischen Lehrgegenständen auch Lateinisch, Französisch und anderes Wissenswerte erlernte.« Hier, in Wollstein, besuchte er mit Fleiß und Ausdauer die täglichen talmudisehen Vorträge des Ortsrabbiners, Rabbi Samuel Munk, der selbst noch ganz der alten Schule angehörte, aber vergleichsweise milde und nachsichtig gegen die Jünger war, die profanem Wissen nachgingen, ohne darüber die halachischen Studien zu vernachlässigen. Mit einem wahren Heißhunger stürzte sich der junge Graetz auf alles Wissenswerte, was ihm irgend erreichbar war. Zum Glück schulen in allen existenzfähigen Gemeinden, s. Bloch, die ersten Kulturbestrebungen der jüdischen Gemeinde in Posen in der Jubelschrift zu Graetzens siebzigstem Geburtstage, S. 215ff. Warschauer, die Erziehung der Juden in der Prov. Posen durch das Elementar- Schulwesen in der ZfGJD. III, S. 29. 44. 42 und dazu die Abhandlungen Kanopkas (Ztschr. d. histor. Gesellschaft f. d. Prov. Posen XXVI (1911)^ S. 276 ff.) und La über ts (a. a. O. XXVIII (1913) S. 150 ff.). 3) Ich lasse sie als Anhang zu diesem Aufsatze folgen. Die Urschrift befindet sich bei den Akten des Kuratoriums des jüd.-theol. Seminars^

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