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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 322

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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822 Heinrich Graetz. gesamte Juden heit mit Selbstvertrauen erfüllt und im Glauben an ihre Zukunft gestärkt und erhoben und insbesondere die Ostjudenheit von mittelalterlichen Anschauungen befreit und ihr den Eintritt in das moderne Kulturleben vermittelt Seine Geistesrichtung wurde bestimmt durch seinen Lebensgang1). Seine Wiege stand in Xiön|s2), seine erste Jugend verlebte er inZerkow, seine spätere in Wollstein, lauter mehr oder minder kleine Städtchen der deutschen Ostmark, die durch die Wiener Verträge dem preußischen Vaterlande zum zweiten Mal ängegliedert wurde. Mehr als ein Drittel der preußischen Juden hatte hier ihre Heimat. Ein einheitliches Ganzes bildete damals diese Gesamtheit nicht nur durch die Gleichheit ihrer Abstammung und ihrer Glaubensüberzeugungen, sondern auch durch die Übereinstimmung in ihren erziehlichen und gesellschaftlichen, in ihren wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Anschauungen und Bestrebungen. Die^altherkömmlichen Einrichtungen für den Gottesdienst und die religiöse Belebung standen hier noch in hoher Blüte. Talmudmeister von großem Ansehen sammelten zahlreiche Schüler von nah und fern um sich; selbst die Rabbiner *der mittleren und kleinen Gemeinden setzten ihre Ehre darein, etliche Jünger täglich im Talmud zu unterrichten, und für deren Lebensunterhalt zu sorgen. Sie blieben immer noch die atierkannten Stimmführer, wenngleich staatsrechtlich ihr Amtseinfluß x) Über seinen Lebensgang schrieben': Ripjpn'er, »zum siebzigsten Geburtstag des Prof. Heinrich Graetz« im 7. Jahrg; der populärwissenschaftlichen Monatsblätter (1887), S. 218ff., 241 ff. Bloch, Heinrich Graetz, a memoir. Philadelphia, 1898, 8 (zuerst gedruckt in Band VI der in Amerika erschienenen engl. Übersetzung der »Geschichte der Juden«, s. Verzeichnis von H. Graetzens Schriften und Abhandlungen Nr. 411), derselbe in deutscher Sprache: Heinrich Graetz, ein Lebens- und Zeitbild, S. A. aus der MS. XLVIII (1904) Posen 1904, 8, G. Deutsch in der Jew. Encyclop. VI, 64ff. und zuletzt M eisl, Heinrich Graetz. Eine Würdi gung des Historikers und Juden. Berlin 1917, 8. 2) So ist heute noch die offizielle Namensform. Kschonz schreibt Wuttke, Städtebuch des Landes Posen, S. 350 f.

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