Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer und Leopold Zunz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829881-2829885-2894166--42819-2894236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2&8 Der Briefwechsel zwischen Isak Noä Mannheimer u. Leopold Zmiz. lassen, und ich Sie wieder ein halbes Jahr, oder wohl noch ׳ länger, bis wir beide einmal, so nicht fleißiger, doch redseliger werden. Nun zu dem Wissenswürdigen meine Verhältnisse betreffend. Ich bin jetzt ziemlich eingeübt in die schwere Kunst, wenn Sie wollen, ist es eine gar leichte, die Kunst, das Unabänderliche . in Geduld zu ertragen. Mein Wirkungskreis ist hier der nicht* den ich früher als einen höheren Beruf mir.dachte; ich habe .alle meine Ansichten, alle meine Absichten, alle meine Aussichten aufgeben müssen — und bin nun, was ich eben nicht sein wollte, ein handwerksmäßiger Prediger, der nur immer genug hat, wenn sein Lehren und Reden augenblicklich ein verstopftes Ohr öffnet, oder ein hartes Herz erweicht; dabei ist meine häusliche Lage recht vorteilhaft —, meine Stellung, wie sie jetzt ist, allem Augenschein nach auch für die Folge ziemlich gesichert, — und meine Persönlichkeit ziemlich geehrt und beliebt. Was ich dann wohl Mehreres wollte und wünschte? fragen gewiß die Vielen, die selbst das nicht erreicht haben — Sie kennen es aber, Freund, das Mehr und das Bessere, das einem Jeden von uns ehemals vorschwebte, als wir uns dem Streben hingaben, und auf ungebahntem Wege ohne Leitung und Stütze einem fernen Ziele nachgingen! Wiedergeburt eines zerfallenen, aufgelösten Volkes — Wiederherstellung des reinen Gottesdienstes — der 1רים ותומיט& — der Einheit und Würde unserer unwissenden, verwahrlosten Glaubensgenossen, das waren wohl so die Ideen und Träume, die uns beschäftigten — an die denke ich nicht mehr, weil ich nicht mehr daran denken darf, so ich nur irgend sonst was Gutes leisten will — ich füge mich in den Ideenkreis meiner Umgebungen, und thue, was mein Beruf von mir fordert — als ein redlicher, thätiger Mann — mehr aber steht nicht in meiner Macht: fürs Ganze kann ich selbst theilnehmend nicht arbeiten. Das wissenschaftliche Streben ist auch beendigt, da mir meine Geschäfte weder Zeit noch Ruhe lassen. Ich gebe Stunden in der Schule und predige — das ist alles. Nach diesem Bekenntnisse darf ich auch hoffen, von Ihnen nun endlich zu vernehmen, was bei Ihnen in Berlin vorgeht — Sie sind ja, gottlob, Schuldirektor. — Was wird aus dieser