Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 20)
- Language
- German
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282 Zur Geschichte der Vertreibung der Juden a. Rothenburg 0/T. Es verschließt sich unserer Kenntnis, welche Folgen die Juden Vertreibung für das wirtschaftliche Leben der Stadt hatte; die Stadtverwaltung selbst hatte dadurch auf eine nicht unbedeutende Einnahmequelle verzichtet, wenn auch der Rat da, wo es galt, seine Schutzjuden vor fremden Übergriffen zu schützen, sie immer als »arm und klein Volk« bezeichnete; waren sie doch vielfach zu außerordentlichen Steuern kräftig herangezogen worden. Den benachbarten Territorialherrn, vorab den Ansbacher Markgrafen, und den Herren des Landadels in der Umgebung scheint das Vorgehen der Stadt gar nicht unverwünscht gewesen zu sein, in der ganzen Gegend ringsum fanden sie Aufnahme und Schutz; die Intercessionsschreiben, die für sie beim Rat einlaufen, sind alle von markgräflichen Amtleuten und adligen Herren ausgegangen, die sich alle bemühten, durch ihre eifrige Fürsprache sich den Juden als wahre Beschützer zu zeigen — freilich auch nur um ihres selbsteigenen Interesses willen. Anhangsweise verdienen vielleicht Mitteilung die Schreiben, die an den von Breßlau III. S. 317/9 genannten »seltsamen Antisemiten« Klaus Wolgemut ergingen, sowie ein Schreiben an den ebenfalls dort erwähnten Philipp Weiß von Feuerbach nebst dem beigefügten Judenmemoriai. Breßlau III, S. 317/9. »Einer der seltsamsten Antisemiten jeuer Tage ist ein Herr Claus Wolgemut;« sein erstes Schreiben an den Rat dat v. 24. 11. 1517. Die Antwort zu seinem Schreiben Freitag nach Aschermittwoch. 27. II. St. A. G. 649. . . Claus Wolgemut dein Schreiben uns jüngst gethan die Juden betreffend haben wir verlesen und solchs unseren Juden alhir thun furhalten. Die begegen uns schriftlich mit Antwurt laut hir einliegender Abschrift. Dieweil dem dann also, so ist unser guthlich Bitt an dich, du wollest unserer Juden, der doch zumal wenig und ain clain arm Gesind ist, in Betracht daß sie der Handlung, so du mit anderen Juden außerhalb der unseren hast oder zu haben vermainst nichts zu thun noch ainig Wissen darumb haben uns aus dopelten Ursachen derselben unangezogen, unbekomert undbei gebürlichen Rechten, dassiesich gegen dir erbieten und wir des auch uff dein oderdeins Anwalds Ansuchen