Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 8)
- Language
- German
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270 Zur Geschichte der Vertreibung־ der Juden a. Rothenburg o T. kains gekauften Erdrichs oder Gerechtigkeit laut seiner Schrift. Ob aber sein Vater vor Jaren in unsern Judenkirchhof gelegt worden, davon wir gruntlich nit wissen, so were doch sollichs aus einer Vergünstigung, darumb er unsern Vorfaren billich ein Willen gemacht hete, und gar aus keiner andern Gerechtigkeit beschehen, und uns dardurch nit begeben, der Kirchhofe funter als das unser in anderwege zu gebrauchen, als uns dann sollicher Kirchhofe sambt der Synagog und den Juden mit Leib und mit Gut von Römischen Kaisern und Königen ubergeben und zugestellt ist, dar mit nach unsern! Gefallen zu handeln und zu tun.« In einem zweiten Schreiben vom 25. J. 1520x) in der gleichen Sache äußert sich der Rat: »Wo aber der Jud uns dieser Sachen halber Forderung nit vermaint zu vertragen, weiß er uns als ein Stat des Reichs darumb mit ordenlichen Rechten als sich gebürt wol zu finden, des wir ime auch nit begern vorzesein.« Doch wird Stieb er gebeten »mit dem Juden zu verschaffen von seinem unbillichen Furnemen zu steen.« Aus diesem Wunsch ist wohl herauszulesen, daß der Rat sich in seinen Ansprüchen doch nicht ganz sicher fühlte. Dies geht auch daraus hervor, daß er, nachdem die Abwanderung der Juden bereits erfolgt war, über diese und andere mit der Juden Vertreibung zusammenhängende Fragen sich nochmals ein Rechtsgutachten abgeben ließ und zwar von einem Stadtkind, dem Licentiatus iuris Wolf Ofner, der als ansbachischer Kanzler in markgräfiichen Diensten stand. Ofners Antwort ist erhalten2); sie steht mit den Äußerungen von Dr. Mart und Dr. Steinmetz im Widerspruch, verurteilt das Verfahren des Rats und nimmt sich der Juden an. Sie lautet: Günstig Herrn und Frund. Zu vergangen Tagen haben eur Gunst und Freundschaft mir furgehalten die Geschieht, so sich in der jüdischen Synagog, nach Wegziehung der Juden, durch das gemein Volk ereigen, darin gerothen zu sein, wie die hochgelobt Himelkonigin, die Muter Gots, alda furter geert mocht werden. Hab ich zu derselben Zeit mein Rath dahin gestelt, das man dieselben *) 560, 562- ף St. A. R. 675 f. 422/3.