Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 4)
- Language
- German
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26G Zur Geschichte der Vertreibung der Juden a. Rothenburg o/T. -Fürsichtigen Erbern und weisen günstigen lieben Herrn, eur ersamen Weißhe/i sein mein gantz willig Dienst bevoran bereit, hab derselben Schreiben vernommen die Juden und gemeiner Statt Freiheit betreffent, darin E. W. meines Gutbedunkens begem etc. Mit der Kurz darauf zu antworten ist dis mein Bedunken. Nachdem die königlich und keiserlich Freiheit allein E. W. und gemeiner Statt zu Gnaden, Gunst und Gutem gegeben und darinnen Kei. Mt. E. W. die Juden vom Reich eigen gibt, so mögen E. W. dieselben Juden über kurz oder lang, gar oder zum Teil, nach allen euren Willen setzen, entsetzen, außtreiben oder innemen, gar nichts hierinne angesehen. Dieweil nun E. W. der Juden gern ledig were, so sollen E. W. inen setzen drei oder 4 Tag ungevarlich die Statt zu raumen bei einer hohen und forchtsamen Pen und das zu thun zuvor und ehe Ro. Ke. Mt. in das Reich kombt1) oder die Juden ein Geschrift oder Mandat von Ke. Mt. erlangen etc. Hierinnen ist nit anzusehen oder zu besorgen weder die Freiheit, der selben beseß vel quasi proscription noch Confirmation, dann sie E. W. in diesem der Juden Vortreiben gar keinen Nachteil pringen mögen in Kraft dieser Freiheit über ein ander Zeit wider Juden jenemen. Item E. W. mögen auch die Juden verkaufen, versetzen, verwechseln, gebrauchen] und in am Worten wenn ir wellet, daran verhindert oder irret E. W. der obgeschriben Recht keins, auß Ursachen nit not zu beschreiben. Bürgermeister und Rat zu Esslingen haben mich vermocht mich ein Zeit zu inen zu thun in iren Anligen zu dienen, darumb ob E. W. in den nechsten 2 Monaten etwas furfiele, mögen sie mich zu Esslingen suchen lassen. . . . Wormbs am 22. Okiob. 1519- Caspar Mart Doktor. Am bezeichnendsten für die Zustände ist in Marts Brief wohl die Stelle, wo er dem Rat zuredet, Hand ans Werk zu legen, bevor die Kaiserliche Majestät erscheine oder die Juden durch eine Eingabe an diese Schutz und Sicherheit erlangen könnten. War die Austreibung einmal vollzogen, so konnte keine Gewalt sie mehr rückgängig machen. r; Maximilian I. war 12. I. 1519 gestorben, Karl V. wurde am 28. VI. 1519 gewählt, aber erst am 28. X, 1520 gekrönt.