Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Vertreibung der Juden a. Rothenburg 0-T. 265 weiter Freiheit zu haben nit noth sei, oder wie oder durch welche Weg E. E. f. W. ir Juden abkomen sei, durch alt vorhabend oder neu erlangt Freiheit, so E. f. W. deshalb on Zweifel gehabt oder erlangt haben, aller Abschriften derselben zuzuschicken, dabei E. E. f.. W. und ir gebeten Rate und Gutbedunken uns in dem allen mitzuteilen, alles uff unsern Kosten und mit so gutwilliger Beweisung als wir uns zu E. E. f. E. getrosten und für euch selbst als Liebhaber der Muter Gottes in disem vor andern geneigt sein wissen . . . Datum, Sambstags nach Francisci ao etc. x i x [8. Okt. 1519] 1). Acht Tage später, Samstag nach Burkardi, ging ein ziemlich gleichlautendes Schreiben des Rates an Doktor Caspar Mart, des Kaiserlichen Kammergerichts Advokaten und Prokurator2). Nur ist in dem im Missivenbuch enthaltenen Schreiben noch ein Bedenken ausführlich erörtert, das der Stadtschreiber Thomas Zweifel dem Entwurf zugesetzt hatte, ob nämlich die Freiheiten, da sie »etwas sehr alt« seien und man sich ihrer lange Zeit nicht gebraucht habe, sich nicht etwa »verzehrt haben und verloffen seien«; doch könne man dagegen einwenden, daß man eben »im Beseß der Freiheit gewest; dann wir haben von gemainer unser Stat die Juden bißher als selbsaigen Leut und Gut ingehabt, besessen, genossen, bestent und entsetzt als der Stat Hindersessen und ist all wegen in unser Macht gestanden vil oder wenig oder gar kain Juden einzunemben und auch die zu Urlauben, wann wir wollen«. Wenn auch die »Freiheiten« bezüglich der Juden später nicht mehr ausdrücklich bestätigt worden seien, so wären doch von einem Römischen Kaiser und König zum andern »alle und jede Freiheit und auch alle und jede Statut, Satzungen und gut Gewonheiten confirmirt«, so daß darin eben auch alle früher erteilten Privilegien hinsichtlich der Juden mit inbegriffen seien. Man sieht aus diesen Ausführungen, daß der Entschluß unweigerlich feststand, sich der Juden um jeden Preis zu entledigen. Die Antwort, die von Dr. Mart einging, mußte den Rat nur in seiner Meinung bestärken; sie lautete3): x) 650, 480; im Entwurf 1901 f. 249. 2) 650, 487; der Entwurf dazu 1901?. 250. s; 1901 f. 252.