Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 2)
- Language
- German
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264 Zur Geschichte der Vertreibung der Juden a. Rothenburg 0/T. gebenen Darstellungen dienen, dürften sie wohl der Mitteilung nicht unwert erscheinen. Schon von Breßlau war vor allem Zweifel erhoben worden an der Behauptung, die der Rothenburger Rat in seiner Proklamation vom 7. November 1519 aufgestellt hatte, er habe die Juden »auf ihr Begehren« beurlaubt, also nicht eigentlich vertrieben, an welcher Behauptung der Rat auch in spätem Kundgebungen festhielt. Wie wenig gerechtfertigt diese Behauptung war, geht aus zwei Schreiben hervor, die bereits am 8. und 15. Oktober vom Rat abgeschickt wurden. Das erste dieser Schreiben ist nach Nürnberg an den dortigen Rat gerichtet und lautet folgendermaßen: *Lieben Freund! Unser Vorfaren und wir haben lange Jar Juden in unser Stat gehabt und noch, wie wol wenig und nit vil, die mit Alter ein Synagog zusambt aim Judenkirchhot alles in unser Stat gelegen hergebracht haben. Nun hat uns König Kare!1) und König zu Beheim in seiner konigklichen Wirden, nachfolgend als Römischer Kaiser hochloblichster Gedechtnus brivilegiert und gefreiet, wie eur f. W. ab inverwarten Copien zu vernemben haben, und dieweil denn E. E. f. W. [in] kurzvergangen Jaren auch Juden in ir Stat gehabt, die one Zweifel auch Synagog und Kirchhof gehabt haben, mit der Weis, als wir achten in diesem Fall die Noiturft erfordern will, erledigt habt, ist hieruff an E. E. f. W. unser gar freuntlich und fleissig Bitt, Sie wollen für sie selbst nachfolgend Ir gelert Doctor über solich unser Freiheit sitzen beratschlagen lassen, wie und durch was Wege uff unser vorhabend Freiheit sei ze handeln, die Juden uß unser Stat zu treiben, damit wir des Lasts2) zuvorab dem gekreuzigten Gott unserm Erlöser und der Muter Gottes Marie zu Eren und nachfolgend uns und unser armen Gemaind zu Nuz abkommen, überig sein möchten. Insonderheit wollen E. E. f. W. bewegen3), ob unser Freiheit sovil vermöge oder dahin zu versteen sei, so uns nit gelegen ist die Juden jemand zu versetzen oder zu verkaufen, inhalt der Freiheiten, das wir die mochten uß unser Stat vertreiben, und ג) Karl IV., 1347378נ־־). 2) S. Grimm, deutsches Wörterbuch 6, 243. ־= (צ erwägen.