Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Fluchpslamen im Urteile Luthers und Franz Delitzschs
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Fluchpsalmen im Urteile Luthers und Franz Delitzsch. 245 Einleitung zu Ps. 10g: »Den Psalm hat David gemacht im Geist (also im heiligen Geist!) von Christo, welcher redet den ganzen Psalm in seiner eigenen Person wider Juda, den Verräter . . . Darum geht der Psalm vornehmlich wider Juda, a.ber doch auch wider alle, die mit Juda sind und in seinem Werk bleiben und folgen . . . Daß also dieser Psalm von Juda anhebe und gehe über alle, die Juda’s Art an sich haben, als da sind alle Verfolger und Rotten wider Christus’ Wort . . . Wider dieselbigen ist dies ein schrecklicher Psalm. Denn er flucht und verkündigt so viel Übels den Feinden Christi . . .« Zu Ps. Q4, 1 (»HErr, Gott der Rache, brich herftir, Gott der Räche!«) bemerkt Luther: »Dieser Psalm, wie man wohl greifen kann, ist ein gemein Gebet aller frommen Gotteskinder und geistliehen Volkes wider alle ihre Verfolger, also daß er mag gebetet werden von Anbeginn der Welt bis ans Ende von allen frommen gottseligen Leuten, sie seien Juden, Christen oder Patriarchen.« Zu Ps. 118 (worin der scharfe Passus V. 10: »Im Namen des HErrn will ich sie zerhauen«): »Ist ein Dankpsalm und mein liebes schönes Confitemini1).» Zu Ps. 137: »Wiewohl sich solcher Zerstörung [Jerusalems] Babylon und Edom höchlich freuen und ihr Gespött daraus treiben, welches wehe tut, aber sie sollen’s ungestraft nicht davontragen, sondern wiederum also zerrissen werden, daß auch ihre Kinder zerschmettert und sie keine Nachkommen haben sollen und Israel und Gottes Wort dennoch für und für bleiben, wie denn Babylon geschehen ist und auch unsern Edomitern und Babyloniern geschehen wird, die jetzt sich freuen und spotten der armen zerrissenen Kirche und des zerstörten Gottes-Worts und -Dienstes.« 1J Ps. 118 war Luthers Lieblingspsalm, wie er in der Widmung seiner Auslegung sagt: »Es ist mein Psalm, den ich lieb habe. Wiewohl der ganze Psalter, und die h. Schrift gar, mir auch lieb ist, als die mein einiger Trost und Leben ist, so bin ich doch sonderlich an diesen Psalm geraten, daß er muß mein heißen und sein, denn er sich auch redlich um mich gar oft verdient und mir aus manchen großen Nöten geholfen hat.«