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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 3 · p. Seite 243

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 3
Article
Die Fluchpslamen im Urteile Luthers und Franz Delitzschs
Date
1917-01-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Die Fluchpsalmen im Urteile Luthers und Franz Delitzsch. 243 tadelt Delitzsch, nicht aber den Psalm an sich, der für ihn ein Gotteswort ist wie die andern Psalmen auch. Wir verstehen nicht, wie D. Kittel Delitzsch etwas nachsagen konnte, woran dieser nie im Leben gedacht hat. Und nun zu Luther und seinen »sehr starken abfälligen Äußerungen.« In seiner Auslegung der Bergpredigt sagt er zu Matth. 5, 33—37: »Fluchen ist, eben wie das Schwören, beides gut und böse. Wir lesen in der Schrift, daß oft heilige Leute geflucht haben, wie Christus selbst über die falschen Lehrer; so kommt wohl die Zeit, daß man fluchen muß. Als wo einer mit bösen Tücken wider das Evangelium umgeht oder Deutschland ineinanderwerfen will, da dürfen wir nicht den Segen dazu sprechen und Gutes wünschen, sondern sollen und müssen so dazu sagen: «Lieber HErr, zerstöre und stürze alle ihre An- Schläge in den Abgrund der Hölle!« Daher kann niemand recht das Vaterunser beten, er muß dazu fluchen. Denn wenn er betet: »Geheiligt werde dein Name,« »Dein Reich komme«, so muß er alles auf einen Haufen mitnehmen, was dawider ist, und sagen: »Verflucht seien alle Namen, zerstört alle Anschläge und zerrissen alle Reiche, so wider dich sind.«« Zu Ps. 94, 1 (»HErr, Gott der Rache, brich herfiir, Gott der Rache!«) sagt Luther (Altenburger Ausgabe III, 501); »Hie will sich's fragen, wie fromme geistliche Leute mögen um Rache bitten, weil doch Christus spricht (Matth. 5, 44): »Bittet für eure Verfolger, tut wohl denen, die euch hassen, liebet eure Feinde!«, Summa: es ist doch wider die Nächstenliebe, daß man Rache und Strafe wünsche, da man vielmehr Gutes tun und wünschen soll (Röm. 12, 17). Antwort: Glaube und Liebe sind zweierlei. Glaube leidet nichts, Liebe leidet alles. Glaube flucht, Liebe segnet. Glaube sucht Rache und Strafe, Liebe sucht Schonen und Vergeben. Darum, wenn’s den Glauben und Gottes Wort anbetrifft, da gilt’s nicht mehr lieben oder geduldig sein, sondern eitel zürnen, eifern und schelten. Es haben auch alle Propheten so getan, daß sie in Glaubenssachen keine Geduld noch Gnade bewiesen haben.« 17 *

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