Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Fluchpslamen im Urteile Luthers und Franz Delitzschs
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Die*Fluchpsalmen im Urteile Luthers und Franz Delitzsch. das im; Werden begriffene neue Königtum heften, und David selbst mußte sich nach Empfang des charismatischen Chrisma in um so größerer heilsgeschichtlicher Bedeutsamkeit erscheinen, je freudiger er sich der völligsten Hingabe an die göttliche Idee seines königlichen Amtes bewußt war. . . . Was die alte patriarchalische Verheißung vom Samen Abrahams sagt, daß, die ihn segnen, gesegnet und die ihm fluchen, vom Fluch betroffen werden sollen, das mußte David nun auf sich beziehen. Seine Feinde galten ihm als die Feinde Jahve’s und die gegen sie geschleuderten Imprekationen gehen also, wenn auch mehr altals neutestamentlichen Geistes, doch nicht von sich selbst überschätzendem Egoismus aus.« Auch über Ps. 149, um ein besonderes Beispiel noch anzuführen, hat Franz Delitzsch nichts weniger als ein »abfälliges Urteil« ausgesprochen, geschweige denn, daß er in dem Psalm einen »Rückfall in jene im Psalter vielfach überwundene Stufe« gesehen hätte. Er sagt nur: »Die neutestamentliche Geistesgemeinde kann nicht so beten wie hier diealttestamentliche Volksgemeinde.« Die alttestamentliche Volksgemeinde also darf so beten, meint Delitzsch, und er ist weit davon entfernt, auch nur eine leise Andeutung zu machen, daß sie nicht so beten dürfe. Ebensowenig denkt Delitzsch daran, daß die neutestamentliche Geistesgemeinde sich überhaupt dieses Psalms nicht bedienen dürfe, der ihr ja ein Gotteswort ist. Sondern »der christliche Beter wird den Buchstaben dieses Psalms in den Geist des Neuen Bundes umsetzen.« Dagegen die »allerabfälligsten Urteile« fällt Delitzsch über die in der Geschichte vorgekommenen mißbräuchlichen Anwendungen des Ps. 149: »In dem Wahn, ihn ohne geistliche Umdeutung nachbeten zu können, ist Ps. 149 die Parole der abscheulichsten Verirrungen geworden. Caspar Scioppius entflammte mittels dieses Ps. in seinem Classicum belli sacri, welches, wie Bakius sagt, nicht mit Tinte sondern mit Blut geschrieben ist, die römisch-katholischen Fürsten zu dem dreißigjährigen Religionskrieg. Und innerhalb der protestantischen Kirche schürte Thomas Münzer mittels dieses Psalms den Bauernkrieg.« Nur solchen Mißbrauch