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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 2 · p. Seite 210

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 2
Article
Lazarus Bendavid
Date
1917-01-01
Page
Seite 210 (sequence 35)
Language
German
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210 Lazarus.- Bendavid. empirischen Wissenschaft herabwürdigen! Das Aufeinanderlegen der Gedanken des einen Subjektes auf die Gedanken des anderen ist eben so wenig ein empyrisches Aufeinanderlegen, als das Aufeinanderlegen der Figuren in der Mathematik. Erklären Sie mir doch, was Kant eigentlich mit diesem Egoismus haben wollte? ei eris mihi magnus Apollo! .2. \ . Lieber Freund! Es ist mir recht lieb, daß Sie in der Berlinischen Monats- Schrift einen Aufsaz über den logischen Egoismus einrücken lassen. Was die insana Sapientia betritt, worüber Sie mich mit den Worten: risum feneas, amice? fragen, so muß ich gestehen, daß dieselbe bei mir nicht Lachen, sondern den höchsten Unwillen rege gemacht hatte. Diese transzendente Philosophie ist nicht nur an sich unhaltbar, sondern auch in ihren Folgen höchst schädlich, indem sie die besten Köpfe verrückt. Um Ihnen hiervon nur ein einziges Beispiel anzuführen, so habe ich hier vor meinen Augen einen Mann von großen Talenten und Naturgaben, von einer lebhaften Imagination (die leider nur zu lebhaft ist), von vielem Scharfsinn (der nicht selten In Spizfindigkeit ausartet), von vielen realen Kenntnissen und Einsichten, und der gewiß, wenn er seine Studien ordentlich eingerichtet hätte, ein zweiter Leibnitz geworden wäre, der aber, seitdem er von der F. . . sehen Philosophie was vernommen hat, ein sowohl spekulativer als praktischer Narr geworden ist, mit welchem nicht mehr auszukommen ist. Er betrachtet [verachtet] alle Kenntnisse und Wissenschaften und alle vernünftigen Raisonnements, die nicht synthetisch in gerader Linie aus seinem Ich herkommen. Freilich sezt eine solche Narrheit schon eine‘ Praedisposition dazu im Subjekte voraus. Aber ich behaupte, daß ein jeder junger Mann, der nicht reale Wissenschäften (vorzüglich die Mathematik) mit Ordnung und Methode studiert und verschiedene Systeme der Philosophie mit einander verglichen habe, zu dergleichen Ausschweifungen praedisponiri

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