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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 2 · p. Seite 209

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 2
Article
Lazarus Bendavid
Date
1917-01-01
Page
Seite 209 (sequence 34)
Language
German
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Lazarus ׳ BendavidL 209 wenigstens einen Wink zu dieser Erklärung gegeben haben, welches füglich in Kurzem geschehen konnte, z. B. dieses Phänomen läßt sich aus der Art, wie ein Kind überhaupt sprechen lernt, leicht erklären. So sehr ich auch Kant schäze, und ihn für den größten Philosophen unserer, ja vielleicht aller Zeiten halte, so kann ich doch nicht glauben, daß Kant alles wissen, und alles besser wissen, und alles allein wissen müsse. Nur weil ich Sie wirklich schäze und liebe, rüge ich dieses. Sonst ist die beste Partie, die man ergreifen kann, über eine solche Aeußerung, die sich offenbar nicht behaupten kann, und die bloß eine gewisse Menschlichkeit zum Grunde hat, wegzusehen. Leben Sie wohl und bleiben Sie mein Freund sowie ich der Ihrige bin. S. Mai man. Siegersdorf bei Freistadt in Schlesien 7. Febr. 1800. N. B. Eher wäre ich geneigt zu glauben (welches mir gar nicht schmeichelhaft ist), daß Kant, wenn ihm ja diese Erklärung vorgeschwebt hat, dieselbe nicht für völlig befriedigend hielt. Denken Sie einmal darüber nach, und wenn Sie es auch so finden, so wird es mir sehr lieb seyn, wenn Sie Ihre Meinung hierüber öffentlich bekannt geben. A propos! Da die Rede einmal von Kants Anthropologie ist, so fällt mir etwas bei. Was denken Sie, Freund, zu Kants logischem Egoismus?1) Soll auch der Mathematiker, der seine Säze nach Axiomen und Postulaten a priori strenge demonstrirt, und die Objekte a priori konstruiert, dennoch als Egoist gescholten werden, wenn er die wirkliche Zustimmung anderer zu entbehren glaubt? Daß er auf diese Zustimmung rechnet, er mag sie wirklich er־- halten oder nicht, ist außer allem Zweifel. Denn was als an sich nothwendig gedacht wird, wird auch als allgemeingeltend (für jeder Mann) gedacht. Daß er aber sich immer vor Irrthum nicht sicher halten soll, bis er diese Zustimmung wirklich erhält, ist mir unbegreiflich. Dieses würde ja die Mathemathik zu einer l) Vgl. Anthropologie In pragmatischer Hinsicht S.?3.

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