Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 28)
- Language
- German
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Lazarus ßendavieL 205 Ohne von dem Lehrer eigentlich aufmerksam geanacht zu werden, ohne ihm die Absicht dieses Unterrichts anzugeben, sind die Geisteskräfte des Juden schon für sich hinreichend, die erwünschte Vergleichung anzustellen, und ihm die beabsichtigte Kälte gegen jene Ceremonial-Gesetze einzuflößen, die allein ihn bis jetzt an der Ausübung seiner Bürgerpflichten hinderten. Seine Einsichten erweitern sich von selbst, und nur erweiterte Einsichten bringen wahre, dem Staate heilsame Aufklärung zu Stande. Dazu kommt noch, daß durch die Zeit, welche der Knabe in den Bürgerschulen wird zubringen müssen, ihm ein großer Theii von der Muße entzogen wird, sich mit dem Thalmud zu befassen; und daß er dadurch allein schon einige, wie wohl bloß negative; Fortschritte in der Aufklärung machen muß 1)* Der dritte ,und letzte, aber bey weitem nicht der wichtigste Unterschied zwischen den christlichen und jüdischen Bürgerschulen besteht darin, daß in den ersteren die Kinder gewöhnlich־ zum ,Singen angehalten werden, oder wohl־gar eine eigne Lehrstunde dazu festgesetzt ist. Für die christlichen Bürgerschulen hat diese Einrichtung in mancher Hinsicht ihren Nutzen, und־ namentlich, um sich in dem Kirchengesang zu üben. Es würde aber vor der Hand noch zu frühzeitig seyn, die kostbare Zeit in; den jüdischen Bürgerschulen mit der Erlernung einer Kunst zuzubringen, die dem Juden keinen anderen Vortheil gewährt; als1 ihn zum angenehmeren Menschen zu bilden, da er fürs erste bloß ein brauchbarer Mensch werden soll2). Wohl aber scheint uns der Unterricht im Zeichnen von äußerster Wichtigkeit Außer dem allgemeinen Einfluß dieser־ Kunst auf die Bildung des Menschen, läßt sich hierdurch einem; 1) Es muß also von der Regierung zur Bedingung gemacht’ werden, daß niemand sich einem Gewerbe widmen kann, der nicht ein Zeugniß mitbringt, daß er eine gewisse Anzahl Jahre in die Schule gegangen. 2) Ich würde gerade für eine Singstunde seyn, besonders tmrt dem Juden das Synagogen-Geschrey zu verleiden, er müßte deutsche Lieder und religiöse Lieder, von Geliert etwa singen lernen, und damit immer der Unterricht angefangen werden. 14*