Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Lazarus Bendavid. Wichtigkeit, ob ältere Geschichte und Mythologie gelehrt wird, oder nicht. Erfährt das Kind nur etwas von der vaterländischen Geschichte, wird sein Herz nur, durch die unsterblichen Thaten seiner Vorältern zum Patriotismus erwärmt; so ist der mit den Lehrstunden der Geschichte in Bürgerschulen verbundene Zweck, mehr als hinreichend erlangt; Ganz anders verhält es sich in Bürgerschulen für Juden, weil man hier noch die Nebenabsicht immer vor Augen haben muß, das Volk von Grund aus zu bilden. So nähmlieh, wie die Religion des Juden jetzt ist, kann sie unmöglich bleiben, wenn dieser als wirklicher Staatsbürger einst betrachtet und dem Staate den Nutzen verschaffen soll, den dieser von seinem Bürger mit Recht verlangen kann. Aber so wie es von der anderen Seite der Weißheit Ew. König!. Maj. gemäß ist, soll kein Religions־ Zwang stattfinden, und die Juden in der Ausübung der ihrigen nicht beeinträchtigt werden. Um nun beyde, einzeln genommen wahre Sätze, aber doch in Verbindung gebracht, sich widersprechende Sätze zu vereinigen, um wenigstens den Juden künftiger Generation dahin vorziabereiten* daß er von seiner Religion gutwillig fahren läßt, was ihm als Staatsbürger in der Erfüllung seiner Pflichten im Wege steht, müssen ihm die Mittel an die Hand gegeben werden, frühzeitig Vergleichungen anstellen zu können. Er muß in der Geschichte der Griechen und Römer finden, daß der Glanz seines Volkes gegen den jener Völker sich wie der eines Planeten gegen den seiner Sonne verhalte und muß in der Mythologie der Alten finden, daß auch dort von Priestern geschah, was er hier, als die unmittelbare Einwirkung der Gottheit betrachtet, und muß, ohne in dem Glauben an das Fundament aller, und insbesondere der mosaischen Religion, in dem Glauben an einen einzigen Gott wankend gemacht zu werden, endlich von selbst das hohe Wort Christi finden: daß man zuerst das Inwendige an Becher und Schüssel reinigen muß, auf daß das Auswendige auch rein werde. (Matth. XXIIL 26.)l) l) Also ein Lesebuch.