Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Lazarus Bendavid. Grunde legt, was besonders in dem Abschnitt: »Von dem Para״ logismus der reinen Vernunft1}«, hervortritt, ohne daß er sich,, wie es scheint, der prinzipiellen Umgestaltung bewußt geworden ist, die hier Kant an seiner Lehre vorgenommen hat. , Den »Vorlesungen über die Kritik der reinen Vernunft« folgen bald darauf die »Vorlesungen über die Kritik der praktischen Vernunft« (Wien 1796), die sich in ihrem Charakter wie in der Form der Darstellung von den ersteren in nichts unterscheiden. Als Anhang zu diesen Vorlesungen ist eine »Rede über den Zweck der kritischen Philosophie« abgedruckt, die auch in einem Sonderabdruck erschienen ist und wohl als Einleitung in die Vorlesungen über alle drei Kantschen Kritiken dienen sollte. Als die Aufgabe, die er sich gestellt habe, bezeichnet er in wörtlicher Übereinstimmung mit Kant2) die Beantwortung der drei jedem denkenden Menschen sich auf״ drängenden Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Hier liegt uns eine wirkliche Rede vor in der Form, wie sie B. gehalten hat, und aus der wir uns eine Vor־ Stellung von seiner rhetorischen Begabung machen können. In populärer Darstellung gibt er einen Überblick über die Grund״ Probleme der Kantschen Philosophie, deren eingehende Erörterung natürlich den Vorlesungen Vorbehalten bleibt. Die Rede schließt mit folgenden, wohl auf den gläubigen Standpunkt seiner Hörer, die er für seinen Gegenstand gewinnen will, berechneten Worten: »Darauf lehrt uns dieser Weltweise (Kant), daß, wenn Gott uns nicht die Gnade erzeigt hätte, sein Dasein uns zu offenbaren, wir es nie durch Schlüsse unserer schwachen Vernunft bis zur völligen Gewißheit herausbringen könnten; lehrt, daß wir durch die von dem ewigen Wesen uns verliehene Vernunft den All- Schöpfer als den heiligen Gesetzgeber der Moralität betrachten müssen; lehrt, daß die Tugend des Menschen sich nicht auf Furcht vor Strafe oder Hoffnung zur Belohnung, sondern auf den Gedanken gründen .müsse, daß er dadurch in den Augen des s) Vorlesungen über d. K. d. r. V. § 361 —374. ף Vgl. Kants Kritik der reinen Vernunft (ed. Rosenkranz) S. 620.