Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 187 ragende Verdienste erworben, die, wie mir scheinen will, nicht die gebührende Würdigung gefunden haben. B. ist ein Herold der Kantschen Philosophie, der er sich rückhaltslos angeschiossen hat und zu deren Einführung in weitere Kreise er in den Jahren seiner besten Schaffenskraft eine unermüdliche Tätigkeit entfaltet hat. Kant ist für ihn gleichsam die philosophische Bibel, ja, er steht ihm höher als die Bibel, denn während er ari dieser eine oft sehr weitgehende und rücksichtslose Kritik ausübt, glaubt er zu Kant nichts hinzutun und nichts von ihm hinwegnehmen zu sollen. In Kant hat für ihn die Entwicklung der Philosophie ihren Gipfelpunkt erreicht1). Er will kein Fortbildner, sondern nur der getreue Dolmetsch der Kantschen Lehre sein. Im Gegensatz zu den Arbeiten seiner Vorgänger, die, wie er einmal sagt, in mancher Beziehung mehr enthalten, als Kant selbst gelehrt hat, will er seinen Hörern oder Lesern Kant und nur Kant vortragen2). Die Philosophie gelangt. Schleiermacher macht einmal die Bemerkung: »Man könnte kaum drei oder vier, besonders jüngere gebildete jüdische Hausväter finden, unter denen nicht jedesmal wenigstens ein Kantianer wäre.« Diese Wahrnehmung hat Schleiermacher wohl im Herzschen Kreise gemacht, in dem er bekanntlich viel verkehrte. ג) ln einem »Kant und Herder im Montly Reviev, Dec. 1793, כץ. 529 etc. An meinen Freund Josef von Retzer« überschnebenen Artikel {Berl. Monatsschrift 1795, B. 25, S. 526) sagt er gegenüber dem die Lehre Kants bekämpfenden Engländer: »Aristoteles und Descartes, Locke und Leibnitz, zeigten Wahrheit für den Verstand: sie zeigten die Einheit der Synthesis ihrer Begriffe mit den Anschauungen, die sie, jeder für sich, darunter subsumierten. Aber dabei war die Vernunft nicht befriedigt: sie wollte mehr, als menschlicher Verstand leisten kann: die Verkörperlichung der Begriffe von der einen Seite und von der anderen die Totalität der Subsumtion der Anschauungen unter diese Begriffe. Kanten war es aufbehalten, sich dem Ideal der Vernunft von der letzten Seite zu nähern: Seine Begriffe umfassen den ganzen Vorrat von Anschauungen, die unter jeden Begriff gehören. Seine Lehren befriedigen den Verstand sowohl, als sie einer der Forderungen der Vernunft Genüge leisten.« 2) Vorlesungen über die Kritik der reinen Vernunft, Vorrede S. IV. ln der Vorrede zu den Vorlesungen über die Kritik der praktischen Vernunft S. IV bemerkt er allerdings, daß er in seiner Darstellung 13*