Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Lazarus Bendavid.' Seinen unsterblichen Lehrer nennt er Kaestner in den »Vorlesungen über die metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft« 1). Alle seine anderen Leistungen an Umfang und Bedeutung bei Weitem überragend, sind die Arbeiten, die Bendavid auf dem Gebiet der Philosophie veröffentlicht hat. Bendavid ist allerdings nicht gerade ein schöpferischer Geist; er war kein selbständiger Denker, der in der Philosophie nach irgendeiner Richtung hin einen eigenen Standpunkt vertreten hätte. In dieser Beziehung steht er weit hinter Salomon Maimon zurück, mit dem er in seinem Entwicklungsgang und in seiner Lebensführung manche Ähnlichkeit hat2). Aber mit nicht gewöhnlichem Scharfsinn, mit großer Klarheit des Denkens und mit der Gabe einer gefälligen Dar- Stellung ausgestattet, hat er sich um die Verbreitung der Kantschen Lehre, die auf die nach höherer Bildung strebende jüdische Jugend überhaupt eine mächtige Anziehungskraft ausübte3 * * *), hervormir einmal, daß fast seine ganze Korrespondenz, die fortlaufende mathematische und philosophische Erörterungen mit Eberhard und Kaestner enthielt, auf eine schmähliche Weise durch die Nachlässigkeit seiner Anfwärterin, oder vielmehr durch seine eigne zu Grunde gegangen sei. Diese Gleichgültigkeit gegen sich selbst gehört mit zu dem Cynismus seines Charakters« (Ludwig Geiger, Neue Mitteilungen aus L. Zunz7 Nachlaß in der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland B. V, S. 262). Diese Selbstbeschuldigung Bendavids erweist sich als unbegründet, ln dem Nachlaß befindet sich eine große Anzahl von Briefen Eberhards und Kaestners, in denen neben mathematischen auch philosophische Fragen erörtert werden. נ) Wien 1798, S. 151 Anmerkung. 2) ln dem Werke »Versuch über das Vergnügen« polemisiert er gegen Maimons SchÖnheitsiehre (I, S. 95 fg.) und gegen Maimons Ansicht, daß die Gewohnheit die Mutter der Tugend sei (II S. 7). Im Anhang veröffentlichen wir aus dem Nachlaß zwei Briefe Maimons an Bendavid, die eine überaus scharfe Kritik der Fichteschen Philosophie enthalten. 3) Neben Marcus Herz, dem bekannten Schüler und Freunde Kants, und Bendavid, die beide ganz auf dem Boden der Kantschen Lehre standen, ist Maimon, von Kant ausgehend, zu seiner die Grundlagen der Kantschen Lehre teilweise modifizierenden Transzendental-,