Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Lazarus Bendavid. In seiner allgemein wissenschaftlichen und Hterarisehen Tätigkeit bekundet Bendavid eine ungewöhnliche Vielseitigkeit der Interessen und eine Fülle von Kenntnissen, die sich auf die allerverschiedensten Gebiete erstreckten und uns bei einem Manne von seinem Bildungsgang umso erstaunlicher ererscheinen müssen. Er war Autodidakt und wollte es bleiben, selbst als sich ihm die Gelegenheit darbot, akademische Studien betreiben zu können. Während seines Aufenthalts in Göttingen, wohin er von Wien aus einen jungen Mann begleitet hatte, der dort Medizin studieren sollte, hat er zwar mit hervorragenden Professoren dieser Universität freundschaftlich verkehrt, aber außer Physik bei Lichtenberg, Chemie bei Gemelin und Kirchengeschichte bei Plank kein einziges Kolleg gehört1). Seine literarischen Studien bewegten sich auf den mannigfachsten Gebieten der Wissenschaft. Neben der Bibel, Mathematik und Philosophie beschäftigte er sich unter Anderem auch mit Nationalökonomie. In den philosophischen Aufsätzen verschiedenen Inhaltes befindet sich auch einer über »Geld und Geldeswert«2), der ursprünglich neuen Methode, den Text des N. T. und besonders der vier Evangelisten und der Apostelgeschichte zu emendiren.« In dieser Abhandlung sucht er den Nachweis zu führen, daß manche Dunkelheiten in den genannten Schriften dadurch entstanden seien, daß im hebr. Urtext Worte standen, die mehrere Bedeutungen haben, unter denen der Übersetzer die an den in Betracht kommenden Stellen unzutreffende Bedeutung gewählt habe. Zur Aufhellung solcher Dunkelheiten müsse der Text in’s Hebräische zurückübersetzt werden, um so die dem Sinn der Stehe entsprechende Bedeutung festzustellen. Diese Abhandlung hatte B. Rosenmüller zur Aufnahme in dessen Repertorium angeboten. R. mußte die Aufnahme aber ablehnen, weil das zur Ausgabe bestimmte Heftbereits abgeschlossen, das weitere Erscheinen des Repertoriums aber in Frage gestellt war. *) Selbstbiographie S. 55. ln seinem Nachlaß befindet sich ein Kollegienheft: »I. Bockmann’s Vorlesung über die: Polizey« und KameralWissenschaft. TL 1. Die Polizeiwissenschaft. Göttingen im Winter 2795/96.« Der bestimmten Erklärung gegenüber, daß er keine anderen Kollegien als die von ihm erwähnten gehört habe^ wird dieses Heft nicht als eine von Bendavid selbst herrührende Nachschrift zu betrachten sein. 2) Philosophische Aufsätze, S. 80—104.