Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Wort Pharisäer bei Spinoza
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 12)
- Language
- German
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Das Wort Pharisäer bei Spinoza. 181 nämlich damals, wie wir aus seinen uns erhaltenen ersten Ein״ Wendungen gegen die Tradition1) sehen, den Unsterblichkeitsglauben noch nicht ausdrücklich bekämpft, war also in den Augen Leon Modenas entweder ein Sadducäer oder ein Karäer. Als er aber in Amsterdam im Jahre 1623 exkommuniziert wurde, galt er bereits als ausgesprochener Sadducäer, weil er, wie wir aus seiner Autobiographie wissen, damals auch die Unsterblichkeit der Seele leugnete. Als Sadducäer ist er vom Vorstande der Amsterdamer Gemeinde beim Magistratangeklagt und als solcher von diesem verurteilt und in Strafe genommen werden. Seine Ankläger haben der Behörde gegenüber ohne Zweifel ihren traditionsgläubigen Standpunkt hervorgekehrt und sich im Gegensätze zu den sadducäischen Ketzern als Pharisäer bezeichnet. Ob sie es freiwillig getan oder nicht, ob sie selbst sich oder andere ihnen den Namen Pharisäer beigelegt haben, sei dahingestellt Sie konnten nicht anders als diese Bezeichnung gut heißen. Uriel da Costa hatte von dem Augenblicke an, wo man ihn als einen Sadducäer erklärte, alle Ursache, die traditionsgläubigen Juden Pharisäer zu nennen, zunächst gewiß nicht in der Absicht, sie zu beschimpfen, sondern um sie als entschiedene Gegner seiner sogenannten sadducäischen Anschauung richtig zu kennzeichnen. Der Gegensatz von Sadducäer ist und bleibt nun einmal Pharisäer. So braucht da Costa in seiner Autobiographie das Wort Pharisäer und versteht darunter alle überlieferungsgläubigen Juden. Er hat nicht, wie Graetz2) meint, die Rabbinen, weil er an die Sprache der Kirche gewöhnt war, Pharisäer genannt, sondern alle Anhänger der traditionellen Richtung mit diesem Namen bezeichnet, weil sie eben damals im Gegensätze zu den damaligen Sadducäern so hießen. Er schreibt3): »Ich er- J) Leon Modena hat diese Einwendungen da Costas (vermutlich aus dem Portugiesischen) ins Hebräische übertragen und seiner Widerlegung, die er מגן וצנה betitelte, vorangeschickt. Den Text sowohl der Einwendungen als auch der Widerlegung siehe Geiger, Leon de Modena 1856, hebr. Teil. 2) Graetz X3, 122. 3) Selbstbiographie, Leipzig 1847, S. 10.