Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Wort Pharisäer bei Spinoza
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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,160 Das Wort Pharisäer bei Spinoza. nicht. Genug damit, daß er ein Ketzer und ausgesprochener Leugner ist, da er frechen Trotz bietet den grundlegenden Worten unserer Weisen, auf denen das Gebäude des Judentums in der ganzen Diaspora ruht. Wir haben seine Worte zur Kenntnis genommen, die er brieflich hierher geschickt hat, eine Anzahl von Angriffen und Einwendungen gegen unsere Weisen, ganz wie es ihm in den Sinn gekommen ist, ohne Begründung und Beweisführung. Darauf ist eine wahrheitsgemäße Erwiderung an ihn bereits erfolgt . . . Und nur! ist dieses unsere Antwort an Euch, hochgeehrte Herren. Wofern er nach Empfang dieser richtigen und guten Erwiderung sich beruhigt und zufrieden gibt und zur Wahrheit sich bekennt, ist es gut so. Wenn er aber auch dann bei seiner Auflehnung beharrt und hartnäckig bleibt, sprechen wir schon von jetzt ab im Namen des ewigen Gottes Israels und des himmlischen Gerichts den strengsten Bann und Fluch über ihn aus, und auch über jeden, der ihm nachfolgt, gleich ihm Ketzereien zu glauben und zu reden«1). Ich habe anderswo2) den Beweis erbracht, daß dieser ungenannte Ketzer, der damals im Hamburg wohnte und von dort aus seine Einwände und Angriffe gegen die Tradition schriftlich nach Venedig gesandt hatte, kein anderer gewesen ist, als Uriel da Costa, der auch nicht erst 1623 in Amsterdam dem Banne verfiel, sondern schon vorher, und zwar 1617—18 in Hamburg und Venedig als Ketzer exkommuniziert worden ist. Das ihn als Leugner der Tradition betreffende Schreiben aus Venedig nennt ihn einen Sadducäer oder Karäer. Leon Modena, der Verfasser des Schreibens, hält die Karäer für reformierte Sadducäer, die gleich den alten Sadducäern die Verbindlichkeit der Tradition, der sog. mündlichen Lehre, leugnen, aber im Unterschiede von diesen sich dazu verstanden haben, den Unsterblichkeitsglauben und was damit zusammenhängt, anzunehmen, weil sie sonst den Haß aller Religionen zu gewärtigen hätten3). Uriel da Costa hat ג) Den hebr. Text s. bei Blau a. a. O. 2) Zfhb XV, 30 ff. 3) Siehe Leon Modena, Riti, Venetia 1638, p. 101 ff.