Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Wort Pharisäer bei Spinoza
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 9)
- Language
- German
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158 Das Wort Pharisäer bei Spinoza. jeden für einen Ketzer hielten, der anderer Meinung zu sein schien. Und darum hat Aben Hezra . . . nicht gewagt, seine Ansicht offen auszusprechen.« Hier bedeutet Pharisäer offenbar die traditionsgläubigen Juden. IX, 39 und X, 30 sind die Pharisäer die Vertreter der Meinung, daß die biblischen Randbemerkungen (Qere und Kethtbh) von den Verfassern der biblischen Bücher selbst hinzugefügt worden seien, ebenso IX, 49 und ähnlich IX, 62: »Die Pharisäer aber beobachten gewissenhaft die bestimmte Größe der Spatien« (der leer zu lassenden Zwischenräume beim Schreiben bestimmter Stellen der Schrift). Adnotatio ad X, 431 2); Tr. X, 45a) XV, 4 wird Maimonides als derjenige bezeichnet, der zuerst unter den Pharisäern offen festgestellt hat, daß die Schrift der Vernunft anzupassen sei 3). Das Wort Pharisäer kann hier nichts anderes bedeuten als traditionsgläubige Juden. Ebenso auch im Compendium der hebräischen Grammatik c. II und IV (Spinoza, Opera vol. HI. ed. Bruder, p. 281 1. 1 und p. 287 1 g und 11): »Die Pharisäer in ihren heiligen Schriften ahmen abergläubisch den von Esra der althebräischen Schrift vorgezogenen syrischen Schriftcharakter nach.« Und »daher glaube ich, daß sie (die Tonzeichen) nachdem die Pharisäer sich gewöhnt haben, die Bibel in öffentlicher Ver~ Sammlung zu lesen, zu dem Zwecke eingeführt worden sind, damit die Vorlesung nicht allzu hastig geschehe, wie solches bei den oft wiederholten Andachten der Fall zu sein pflegt. Und aus diesem Grunde überlasse ich die kleinlichen Einzelheiten der Akzentlehre den Pharisäern und den müßigen Masoreten«. Endlich die Stelle im Briefe Spinozas an Burgh (Ep. LXXIV, bei Gebhardt 76) »das ist bei den Pharisäern genau dieselbe Leier« (ipsissima Pharisaeorum cantilena est), wo Spinoza sagen will, daß, was Burgh der römisch-katholischen Religion nachrühmt, die Juden genau so und mit gleichem, ja noch größerem Rechte ihrer 1y Siehe S. 156, Anm. 2. 2) Siehe daselbst. 3) Primus, qui inter Pharisaeos aperte statuit, Scripturam rationi esse accomodandam. Kirchmann z. St. übersetzt unrichtig »welcher annahm, daß die Schrift der Vernunft angepaßt worden«.