Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Wort Pharisäer bei Spinoza
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 7)
- Language
- German
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156 Das •Wärt• Pharisäer, bei Spinoza. des mosaischen. Gesetzes durch die Tradition zu verstehen sind«, keineswegs im neutestamentlichen Sinne als solche gefaßt werden dürfen. Aber da Spinoza wiederholt auch von den Pharisäern einer späteren Zeit spricht, bleibt nach Ginsberg die Frage offen, wen und was Spinoza für die Zeit nach der Kanonsammlürig unter Pharisäer, verstanden hat. Gebhardt1) behauptet, daß Spinoza unter Pharisäer im Theol.-politischen Traktat durchweg die Vertreter der nachtalmudischen Literatur versteht. Selbst wenn diese Behauptung richtig wäre — im Folgenden wird gezeigt werden, daß sie es nicht ist —bleibt immer noch die Frage bestehen: Wie kam Spinoza dazu, statt von Juden von Pharisäern zu sprechen, seinen Glaubensgenossen das Stigma eines Namens aufzudrücken, der seit reichlich anderthalb Jahrtausenden in seinem ursprünglichen Sinne außer Gebrauch, längst schon lediglich in alten Urkunden (Talmud und N. T.) ein unlebendiges Dasein fristete und höchstens noch im christlichen Volksmunde als Bezeichnung für Heuchler fortlebte? An die Beantwortung dieser Frage können wir erst dann herantreten, wenn wir festgestellt haben werden, wen d. h. welchen Teil der Juden oder weiche religiöse Richtung Spinoza mit dem Worte Pharisäer gemeint hat. Zu diesem Zwecke empfiehlt es sich, sämtliche Stellen heranzuziehen, an denen bei Spinoza von Pharisäern die Rede ist. An 18 Stellen2) sind unzweifelhaft die Pharisäer des zweiten: *) Briefwechsel Spinozas a. a. O., siehe Anm. 17. 2) Tr. II, 56 (dreimal) von den Pharisäern zur Zeit Christi, V, g?׳ die Unwissenheit der Pharisäer: X, 28 (zweimal) die Pharisäer, die über die Aufnahme von Büchern in den Kanon zu entscheiden hatten. Doch scheint aus dem unmittelbar folgenden Satze hervorzugehen.* daß Sp. hier nicht nur an die Pharisäer des zweiten Tempels, sondern auch an die späteren Rabbiner gedacht hat. Von diesen meint Sp. z.. St., daß, die allerdümmsten ausgenommen, die anderen alle glauben, daß die im 4. Buche Esra vorkommenden Fabeln, von denen wir einige auch im Talmud finden, lediglich von irgend einem auf» schneiderischen Schwätzer hinzugefügt worden sind. Ferner X, 43; (einmal) und Adnotatio z. St. (dreimal Pharisäer im Sinne von Peruschira