Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Wort Pharisäer bei Spinoza
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 4)
- Language
- German
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Das Wort Pharisäer bei Spinoza. 158 Volke) übte er am!jüdischen Volke Kritik, weil er die eigenen ethischen und intellektuellen Ideale, für die er sein Leben ein« gesetzt hatte, von ihm nicht erfüllt sah. Auch hatte er zu schwer unter der ihm von seinen Stammesgenossen zugefügten Unbill gelitten, und war zu sehr von der Grundlosigkeit der gegen ihn einst erhobenen Anklagen überzeugt, als daß er den Unwillen über sie je ganz hätte verwinden können«1). Vielleicht auch, daß seine Ausfälle gegen Juden und Judentum dazu dienen sollten, bibelkritische und anderweitige Kühnheit zu decken2). Aber es mögen alle, denen es widerstrebt, einen Spinoza menschlicher Schwäche zu zeihen, und die an ihm nicht nur höchtsen Geist, sondern auch edelsten Charakter bewundern wollen, noch so vieles zu seiner Rechtfertigung anführen, seine starke Voreingenommenheit und Heftigkeit, seine vielen Ungerechtigkeiten und Härten gegen Juden und Judentum sind nicht völlig zu enfT schuldigen, geschweige denn zu rechtfertigen. Eines jedoch, womitSpinoza denjuden einen unverdienten Makel angeheftet hat, scheint jedes Entschuldigungsversuches zu spotten, scheint ganz unbegreiflich und darum unverzeihlich: daß Spinoza in seinem Theologisch-politischen Traktat und auch sonst statt Juden oder Rabbiner oft *Pharisäer« schreibt. Wie hart Spinoza über die Pharisäer geurteilt hat, zeigt deutlich eine Stelle im Theologisch-politischen Traktat (XVIII, 24 ff.): »Die Pharisäer begannen die Religionsstreitigkeiten wie auch die Anklagen gegen die Sadducäer wegen Gottlosigkeit nur, um die Reicheren aus ihren Würden zu verdrängen. Nach diesem Beispiele der Pharisäer haben immer die ärgsten Heuchler, von der gleichen Leidenschaft erfaßt, die sie Eifer für das göttliche Recht nennen, überall die durch Rechtschaffenheit ausgezeichneten und durch Tugend berühmten Männer verfolgt, indem sie öffentlich deren Meinungen verwünschten und die wilde Menge mit Zorn gegen sie entzündeten. Und diese dreiste Willkür kann, weil sie durch den Schein der x) Ebendas. S. 202. 2) Joel, S. 6. Monatsschrift, 61. Jahrgang. 11