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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 2 · p. Seite 152

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 2
Article
Das Wort Pharisäer bei Spinoza
Date
1917-01-01
Page
Seite 152 (sequence 3)
Language
German
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152 Das Wort Pharisäer bei Spinoza. Moses und nicht vielmehr für Matthäus wäre«1). Spinoza, der den jüdischen Gottesdienst genau kannte, spricht Judenfeinden die falsche Behauptung nach2), daß die Juden in ihren täglichen Gebeten den Haß gegen die übrigen Nationen durch tägliche Verwünschungen fortwährend gehegt und gepflegt und sich diesen zur zweiten Natur gemacht haben. Spinoza wirft Steine und Schmutz in den Brunnen, aus dem er getrunken hat, für jüdische Quellen, aus denen manches bei ihm geschöpft ist, hat er wenig Dank und viel Schimpf. Auch Freudenthal, der auf Unparteilichkeit ängstlich bedachte Spinozaforscher, verkennt nicht den peinlichen Erdenrest von Schwäche, der dem Charakter Spinozas anhaftet »Mit einer Heftigkeit, die bei dem sonst so mild urteilenden Sp. doppelt auffällig erscheint, wendet er sich gegen die Kleinlichkeit der Rabbiner, die Träume der Kabbalisten«3) . . . »Mit gleicher Schärfe beurteilt er Eigenschaften, Geschichten und Schriften des jüdischen Volkes. Seine Fehler und Irrungen deckt er mit schonungsloser Grausamkeit auf, für seine Vorzüge aber hat er kein Auge. Er, der so vieles am A. T. zu tadeln hat, findet kein Wort für die Erhabenheit der Prophetenreden, für die Gedankenfülle Hiobs und die Frömmigkeit der Psalmen. Eine Abneigung, die ihn gegen die guten Seiten seiner Stammesgenossen blind machte, muß ihn beherrscht haben, wenn er sich zu ihrer Herabsetzung auf die Verleumdungen der Samaritaner und die Gehässigkeiten des über die Verhältnisse der Juden schlecht unterrichteten Tacitus beruft; . . . wenn er für die wunderbare Erhaltung des jüdischen Volkes keine anderen Ursachen gefunden hat als den Haß der Völker und das Zeichen der Beschneidung״ Offenbar hat hier nicht ruhige Überlegung, sondern der Affekt Spinozas Feder geführt«4). Zur Entschuldigung Spinozas wird geltend gemacht: »Mit derselben Herbheit und Einseitigkeit (wie am holländischen ב) Joel, S. g. 2) Tr. XVH, 80 ff. 3) Freudenthal, Das Leben Spinozas, 1904, S. 199. 4) Ebendas. S. 200 ff.

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