Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Vortragszeichen der Samaritaner
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Vortragszeichen der Samaritaner. 121 Die Urzeichen der Inder, Griechen ע sw. markierten lediglich den Halb* und Ganzschluß eines Verses, indem sie den Tonfall der Singweise und deren Pausen andeuteten. Nach und nach empfand man das Bedürfnis alle Nuancen, Hebungen und Senkungen aller Töne der Sing- und Vortragsweise durch besondere Zeichen anzugeben. Auf diese Art entstanden die Neumen der Griechen und der römischen Kirche, wie auch die Nerimot1) der hebräischen Akzentuation. So erhielt jede betonte Silbe jedes Satzes einen Akzent oder Neume, welche einen Ton oder eine Tongruppe, ein Motiv, darstellt. Gleichen sich äußerlich die Akzente aller Kulte und Kirchen sowie der Synagoge, so ist deren Gesang von einander grundverschieden. Denn da die Akzente nur Hebungen und Senkungen, aber keine genauen Intervalle präzisieren, so ist die Möglichkeit gegeben, beliebige Melodieen nach einen und denselben Akzenten zu singen. Die Neumen sind teils tonoi, die Töne angebende, teils chrono!, die Zeit angebende und pneumata, die Dynamik der Töne angebende Zeichen. Diese drei Arten sind auch in der hebräischen Akzentuation zu konstatieren. So sind sof pasuk, atnach, sakef und pesik chronoi; paser, sarka, talsa gedola, sakef gadol pneumata, alle übigen Akzente tonoi. Die samaritanischen Zeichen sind, mit Ausnahme von enged afsak und annachu, zum Teil pneumata: arkenu, sei'ka und sa’if, zum Teil Namen von Singweisen überhaupt: sejala, atmahu, ba‘u und turu. An Namen und Zeichen vieler liturgischer Gesänge ist namentlich die syrische Kirche, und zwar die Jakobiter, reich (etwa 30 Namen)2). Äußerlich aber gleichen die samarit. Akzente *) Daß Neuma von ne’ima stamme, behaupten viele. Auch die Verdunkelung des gutt. emph. *i in »u« — neuma scheint auf die Aussprache der Phönizier hinzuweisen, die o zu u, a zu o, i zu y od. u zu verfrüben pflegten:; und die Griechen werden es von dem Phöniziern so gehört u, übernommen haben. 2) Diese Namen verleiteten Brockelmann (syrische Grammatik) zur irrigen Behauptung, daß die syrische Kirche Neumen besäße. Monatsschrift, Jahrgang, 61. 9