Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer und Leopold Zunz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 12)
- Language
- German
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!00 Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer u. Leopold Zuni. wollte als alle jene. Was ich äußere, sind also nur allgemeine Wünsche und Besorgnisse, und da wüßte ich denn nicht, was ich nicht gern erlitten hätte, wenn ich Ihnen und der Sache . diesen Unfall hätte ersparen können. Daß man bei mir wegen der dortigen Anstellung angefragt hat, werden Sie wissen, und auch voraus vermuthen können, daß so lange von Absetzen oder Dispensieren die Rede war, mich keine Rücksicht zur Annahme bewogen haben würde, auch waren die Leute so rechtlich, in jener Zeit nichts davon zu melden. Erst nach Ihrer Resignation, von der man mich versicherte, daß Sie freiwillig war, kam jene Anfrage. Über meine Umstände und Aussichten würde ich Ihnen schon aus dem Grunde nichts sagen, weil, Sie in der jetzigen Unruhe damit zu belästigen, nicht freundschaftlich wäre. Doch so viel mögen Sie immer hören, daß, so sorglos meine Lage auch in öconomischer Rücksicht hier ist, da ich mit privat Stunden ein reichliches Auskommen habe, so ist meine amtliche Stellung immer desto mißlicher und kränkender. Was Sie in der letzten Zeit erfahren haben werden, ist bei mir tägliche , Kost, die Neuen thun Nichts — und die Alten sind mir uriablässig auf dem Halse. Da wäre denn eine zeitige Erlösung um so eher zu wünschen, da mein Geist nach Thätigkeit strebt, und ich hier außer der Schulstube -— gar Nichts leisten kann. Vorausgesetzt also, daß es entschieden ist, daß Sie auf keiner Weise die Kanzel wieder zu betreten wünschen im dortigen Tempel, was nach dem Vorgefallenen vielleicht für Sie auch nicht räthlich wäre, so sehr ich es wünschen möchte, — vorausgesetzt, daß wir beiden nie in irgend eine Collision oder Spannung gerathen könnten, die mich auf jeden Fall tief kränken möchte, bin ich geneigt, die Stelle anzunehmen, wenn sie mir förmlich angetragen wird, was bis jetzt noch nicht geschehen ist, obgleich ich jene Anfrage nur unter diesen beiden Be- •dingungen mit ja beantwortete. Lieber Freund! Sie sehen, ich rede offenherzig, Sie kennen mich; nicht um Alles in der Welt -möchte ich in den Verdacht gerathen, mich eingedrängt zu haben, wo ich nicht hingehöre. — Ich versichere Sie, wüßte ich nur irgendwo (hier — oder in Wien — oder wo es auch :sonst sei) als Prediger, wozu ich mich nun einmal, vielleicht im Wahne, berufen fühle, •— wüßte ich nur irgendwo ein Gottes-