Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 3)
- Language
- German
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478 Besprechungen. Nr. 61 die Jakobsohn’schen Häuser. Das ist der Palast des Rabbiners Chaim Josua Kasowsky. Der Palast besteht aus einem großen und einem kleinen Raum. Wenn du den großen Raum, der als Küche, Speise- und Schlafzimmer eingerichtet ist, durchschritten hast, befindest du dich in dem kleinen Saal, in der Atmosphäre des unermüdlichen Forschers Kasowsky. Die großen Folianten, Gemaroth, Mischnajoth und Toßifta sind geordnet in einer Kiste, die den Bücherschrank vorstellt. Ein Tisch und zwei Stühle befinden sich in der Mitte dieser niedlichen Lehrstube. Die Kleinen tummeln sich in dieser Stube, als ob es ein Kinderzimmer wäre und bringen alles durcheinander. Unter solchen Vorbedingungen arbeitet unser Rabbiner Kassowsky an der Concordanz, in welcher auch nicht ein Tüpfelchen an die Unrechte Stelle kommen darf. Das Manuskript für die Mischnajoth ist fix und fertig. Auch das Material für die Toßifta ist im vollen Zuge. Die literarischen Riesenwerke Kasowsky’s schreiten einher, wie die Helden der Agada. »Gebet mir Gehilfen, schaffet die Mittel; in einem Jahre habe ich die Concordanz für den Talmud vollendet.« Wir hören diese Worte, wir glauben es ihm. Der trotzige Gelehrte mit seiner unvergleichlichen Energie, mit seinem scharfen, durchdringenden Blick wird sein Werk, seine Riesenarbeit, vollenden.' »Kasowsky hat keinen Vorarbeiter, keinen Wegweiser. Er ist originell in seinem großzügigen Unternehmen. Es liegt etwas Geheimnisvolles in seiner Wunderarbeii. »Wir haben sein Material gründlich geprüft. Seine Zettel — sie zählen nach hunderttaussenden —־ sind musterhaft geordnet in Kistchen von russischem Tee oder amerikanischem Petroleum. Da fehlt kein Punkt, kein Buchstabe von Alef bis Taw. »Das ist einer der Thorägelehrten Jerusalems. Einer von den Zöglingen der Ez Chajjm-Schule. »Er wird keinem Menschen zur Last fallen. Er wird auch seine Thoragelehrsamkeit nicht als melkende Kuh benützen. Jeder Reklame weicht er aus. Er verrichtet seinen heiligen Dienst in Bescheidenheit und Demut. »Wie groß muß doch die Seele dieses armen Thoragelehrten sein! Reich wird dieser Mann nie werden. Die Annehmlichkeiten des Lebens werden ihm und seinem Hause stets fremd bleiben. Alle sind sie an Entbehrungen gewöhnt. »Längst hat er ein Buch über Mathematik und eine hebräische Grammatik geschrieben. Er hat auch einen Kommentar zum Tractat