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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 6 · p. Seite 479

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1916-01-01
Page
Seite 479 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen. 479 Baba bathra veröffentlicht Lauter hervorragende originelle Leistungen eines großen Mannes. Was hat er damit erreicht? Wer wurde bisher auf ihn aufmerksam? »Gegen Abend sahen wir den Meister Kasowsky in seinem kleinen Heiligtum bei einem mageren Oellämpchen an der Geistesarbeit. Er führte die Feder und ordnete Körnchen zu Körnchen in den Gefilden der Thora und sammelte Sternchen zu Steinchen zu einem großen Bau in der jüdischen Geisteswelt. »In der Mittagstunde des folgenden Tages bei Sonnenglut fanden wir diesen großen Thoragelehrten auf dem russischen Platz, eine kleine Karre führend. Er hob die Steine aus den russischen Gebäuden und führte sie nach einem anderen Ort. Steine und Steinchen! »Der Rabbiner Chajjim Kasowsky ist jetzt 44 Jahre alt. Und es konnte noch nicht festgestellt werden, obdiesem phänomenalenGelehrten, der von seinem dritten Lebensjahre angefangen — er ist in Jerusalem geboren — gelernt und gelehrt, von gesetzeswegen auch das Prädikat »Chacham« zustehe, und ob er darum als Theologe nicht in das Arbeitsbataillon eingereiht werden müsse. Die Thora dieses gelehrten Rabbi ist in Tee- und Naftakistehen eingestellt. Wer soll davon etwas wissen? »Ja, Rabbiner Kasowsky sitzt in seinem Palast, in Wohnzimmern von zwei Quadratellen. In diesen Räumen herrscht furchtbare Not. Er selbst ist arm und gedrückt und muß für Weib und Kinder sorgen. »Er ist einer von den vielen Thoragelehrten Jerusalems. Nach türkischem Staatsgesefz könnte man ihn für 1000 Frs. loskaiifen. Dann könnte er auch bei Tag die Steinchen in den Thoragefilden sammeln. Aber wer gibt heute 1000 Frs. für einen solchen ideellen Zweck? »Oder werden sich doch noch vermögende Thorafreunde finden, die dem Rabbiner Chajjim Josua Kassowsky in seiner namenlosen Bedrängnis beistehen und der jüdischen Wissenschaft einen unschätzbaren Dienst erweisen werden1)?« M. Brann. ג) Während ich die Korrektur dieser Zeilen lese, erhalte ich die Nachricht, daß die tausend Mark, die erforderlich sind, den Gelehrten von der aktiven Heerespflicht zu befreien, erlegt sind. Es handelt sich nur noch darum, ihm eine sorglose Muße zu sichern, damit er in wenigen Jahren die endgültige Ordnung und Drucklegung der Riesenarbeit vollenden könne. Dreihundert Frcs. monatlich sind dazu nötig. Werden sie zu haben sein?

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