Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 7)
- Language
- German
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474 Besprechungen. Religionsgesetze verhindert wurden, so könnte man die Zeit genauer bestimmen und an die Jahre 471—74 denken. Nach dem Berichte in Scheriras Sendschreiben wurden im Jahre 471 der Exilarch Huna Mari und die hervorragendsten Gesetzeslehrer eingezogen und hingerichtet, und drei Jahre später, also 474, alle Lehranstalten im Bezirke Babel zerstört und die Jugend gewaltsam. zum Magierkultus erzogen. (S. Scheriras Sendschr. und meine Juden in Babylonien II, 118). Schon unter dem judenfeindlichen König Jezdegerd II (438—457) hat man das Schema, welches von der Regierung wahrscheinlich wegen der im Bekenntnisse liegenden Opposition gegen den Dualismus der Perser verboten worden war, in die Keduscha eingeschaltet (Vgl. Scher. Sendschr., Kerem Chemed IV, 187, Beth Josef zu Tur Or. Chajim 423, Rapop., Erech Millin, 37 und meine Juden in BabyL 11, 116); unter Peröz wurde nun diese Methode fortgesetzt und erweitert, indem man »Stücke des gewöhnlichen Gebets« in die hizäna einschaltete. E. hingegen meint, daß der Pijjut »nicht durch die genannten Verfolgungen entstanden, und Babylonien auch nicht sein Heimatland war, er hat dort niemals als einheimisches Erzeugnis und als ein den־ Stammgebeten gleichberechtigter Bestandteil gegolten. E. bringt keinen Beweis gegen die angeführten Berichte. Gewiß, meint er, war »für seine Entstehung das Bedürfnis maßgebend, die religiösen Anschauungen, welche die Haggada erarbeitet hatte, in neuer Form zu verbreiten, den Gottesdienst an den Festen zu schmücken.« Aber dieses Bedürfnis war in allen Ländern vorhanden, war in Babylonien in noch höherem Maße vorhanden, da man die Lehrhäuser daselbst geschlossen hatte. Nach Zunz ist »das Meiste in dem Vorrat des älteren Pijjut in Palästina und in Syrien verfaßt worden« und »die syrischen Gedichte waren die Vorbilder für den Strofenbau« (Zunz, Literaturgesch. der synag. Poesie 23—24). E. führt die Kunstformen• im Pijjut auf die Araber zurück. »Von ihnen (den Arabern) rührten die Kunstformen her.. . Von ihnen lernten die jüdischen Dichter den Reim, in späterer Zeit auch das Metrum, von ihnen übernahmen sie die Sitte des Akrostichons, aus ihrer Art alte Zitate zu verwenden, schöpften sie die Anregung des Musivstils« (S. 285.). Das alles finden wir aber schon bei den Syrern. Schon Geiger hat auf die akrostichontischen Lieder Ephräm’s verwiesen und nimmt an, daß die akrostichontischen hebräischen Hymnen aus der vorkalirischen Zeit verloren gegangen sind (Geiger. Sal. Gabirol u. seine Dicht. S. 16 und 17). Sicher ist, daß sie auch das Metrum, die Kunst-