Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 5)
- Language
- German
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472 Besprechungen. שבשעה שארם מתפלל ומרע עד שיתפקקו כל חליות שבשדרה שנאמר כל עצמותי תאמרנה ה׳ מי כמוך R, Akiba scheint sich im Privatgebete auch wie die Frommen in! Frankreich verhalten zu haben, Ber. 31a, und diese Sitte scheint im Altertum allgemein verbreitet gewesen! sein, da sie auch auf die Christen übergegangen ist, wie aus den Worten des Augustinus (De cura gerenda pro mortuis. Migne, 's. 1. 40, Sp. 597) hervorgeht: »Die Betenden benehmen sich leiblich, wie einer, der flehend vor einem andern erscheint, sie beugen die Kniee, strecken die Hände aus, werfen sich zur Erde und wählen andere Mittel, ihre Gefühle zu versinnlichen. Gott kennt zwar ihren Willen und ihr Gemüt ohne sinnliebes Zeichen, aber der Mensch erweckt sich selbst dadurch, desto eifriger und demütiger zu beten. Und ich weiß3 daß diese Bewegungen des Körpers nicht ohne vorhergehende des Gemütes geschehen und durch die sichtbare auch die innere unsichtbare Bewegung erhöht wurde.« Wir haben in diesem interessanten Zitate auch die von Agatharchides von Kriidos erwähnte Sitte, mit ausgestreckten Händen (äKTezauoreg r&g xelQas) zu beten. Wir zweifeln nicht daran, daß diese uralte Sitte (vgl. Ps. 141, 2;משאתוכפי und! Nech. 8, 6 מעל ידים) auch in die Synagogen Eingang gefunden hat, wenn E. auch keine Stelle fand, um diese Sitte zu belegen. Im Allgemeinen muß betont werden, daß die im Judentum verbreiteten Sitten beim Gebete fast bei allen Völkern eingebürgert waren; nur haben sich diese im jüdischen Volke länger erhalten. So finden wir, daß auch die Römer und Griechen die Handilächen beim Gebete gegen den Himmel, oder wenn man zu den Meeresgöttern betete, gegen das Meer richteten (Caelo supinas si tuleris manus) Horaz, Carmina III, 23, 1, »Et vicina suas tendens super aequora palmas« Ovid, Metam. VIII, 840. Um noch einige Sitten hervorzuheben, die wie im jüdischen Volke, auch bei den alten Völkern, speziell aber bei den Römern verbreitet waren, sei darauf verwiesen, daß die Römer vor dem Gebete Schweigen beobachteten, womit das שוהץ שעה אחת der Mischna Ber. 5, 1. zu vergleichen ist; sie wuschen vor dem Gebete die Hände (vgh J. Marquardt, Römische Staatsverwaltung Leipzig 1885, III, 175) ebenso die Griechen (Wähter, Reinheitsvorschr. im griech. Kult., Gießen 1g10, II.); dasselbe schreiben die Apostolischen Konstitutionen (VIII, 38) den Christen vor. Die Römer verhüllten beim Beten das Haupt »um Zerstreuung abzuwenden, und damit sie kein unheilbringendes Wort von außen her vernähmen« (E. v. Lasaulx, Die Gebete der Griechen und Römer,