Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 3)
- Language
- German
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470 Besprechungen. haben, beschreibt E. auf 217 Seiten den israelitischen Gottesdienst in seiner Entwicklung. Mit den Fundamenten beginnend, die von den Männern der großen Versammlunggelegt wurden, geht er zu den anderen Bestandteilen über3 zeigt die verschiedenen Schichten, die im Laufe der Jahrtausende hinzugekonimen sind. Hier bewegt sich der Verfasser auf sicherem Boden, in dem er nur die reifen Früchte seiner Forschertätigkeit zu geben hat. Eine reiche Fülle von Einzelheiten bietet der Verfasser im zweiten, geschichtlichen Teile seines Werkes (232—444). Dieser ist der schwierigere Teil, denn hier hatte der Autor mit dem ihm selbstverständlich wohlbekannten und auch hervorgehobenen Umstande zu rechnen, daß die Literatur oft, ja in der Regel, der Einrichtungen und Veränderungen erst gedenkt, nachdem sie längst in Kraft getreten sind (233). Bei aller Vorsicht, von der sich der Autor bei seinen Aufstellungen leiten ließ, hat er doch die Entstehung mancher Sitte irrtümlicherweise einer späteren Zeit, der amoräischen Epoche, zugeschrieben, weil sie im Talmud im Namen von Amoräern überliefert wurde. Wir werden, um uns nicht in Einzeiheiten zu verlieren, nur einige Beispiele hervorheben. Zunächst sei bemerkt, daß auch die von E. (S. 260) zitierten Aussprüche z. T. — wie z. B. die Lehre, daß das Gebet nur in den Synagogen erhört werde (Ber. 6 a) — in Bararitot als tannaitische (תניא) Überlieferungen tradiert werden. Daß der tägliche Besuch des Gotteshauses selbst von Frauen auch in der tannaitischen Zeit als sehr verdienstlich angesehen wurde, geht aus der Erzählung von der frommen Greisin hervor, die zu R. Jose b. Chalafta kam, um ein Mittel gegen das allzulange Leben zu bitten (Jalkut § 871), welche auf dem Glauben beruht, daß der Synagogenbesuch das Leben verlängere (auch die Babylonier wurden »alt,« nicht »berühmt und geschätzt«, wie E. sagt, weil sie täglich die Synagoge besuchten Ber. 8 a). Wenn E. die Sitte, nach welcher der Einzelne zn gleicher Zeit mit der Gemeinde das Gebet verrichtet, weil diese die vom Psalmisten erwähnte »Gemeindestunde« sei, der Epoche der Amoräer zuschreibt, so beruht diese Annähme wohl auf einem Irrtum, da dieselbe Lehre auch als tannaitische Tradition im Namen R. Nathans gelehrt wurde (Ber. 8 a) und Einzelne die Gebete stets zur Zeit der Darbringung des Morgen- und Abendopfers verrichteten, wie dies aus Judit (9,1) und der Apostelgesch. (3,1. 10,3—4 und 10,9) hervorgeht und dieser Brauch wohl als eine der Konsequenzen des Prinzipes תפלות כנגד תמיידים תקנום: