Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 469 zusammengefaßt in machtvoller Entfaltung des israelitischen Staatswesens, wieder [zu einem Hauptziele wurden, um dessen Erreichung man Gott anflehte« (Kegel, das Gebet im A. T. Gütersloh 1908, S. 36). Es wäre E. sicherlich nicht schwer gefallen, die Grundlosigkeit solcher und ähnlicher Anschauungen nachzuweisen. Der bloße Hinweis auf den Inhalt der wichtigsten Gebete, auf den Geist, von welchem die Thefilloth der hohen Festtage durchweht sind, hätte genügt, um die Grundlosigkeit dieser Ansicht zu beweisen. Das Gebet um die Wiederherstellung des israelitischen Staatswesens als »eine Zusammenfassung der äußerlichen materiellen Güter« hinzustellen, ist sinnlos. Aus diesen Gebeten spricht nur die Sehnsucht nach dem religiösen Zentrum, nach der Stätte, von welcher die »Lehre, das Wort Gottes ausgehen« soll. Wir hätten auf einen Teil der Ausführungen über »die Neuzeit« (394—443) ganz gern verzichtet, um für die erwähnten Richtigstellungen Raum zu gewinnen. »Die Geschichte«, sagt unser Autor, »hat über alle radikalen Umwälzungen ihr Verdikt gefällt«. Der Verfasser selber tut es mit den Worten: »Endlich hat die Befürchtung, die vor hundert Jahren an den Anfängen der Bewegung ausgesprochen wurde, sich in erschreckender Weise erfüllt, die Vertrautheit mit dem Gottesdienste hat trotz seiner Vereinfachung nicht zugenommen, die Gleichgültigkeit gegen seine Einrichtungen ist gewachsen, sie Ist gerade dort mit am größten, wo den Forderungen nach zeitgemäßen Umgestaltungen am meisten Rechnung getragen wurde.« Diese richtige Erkenntnis und die traurigen Zeitverhältnisse werden vielleicht zur Folge haben, daß die zeitgemäßen Umgestaltungen, welche den Frieden so schöner und blühender Gemeinden gestört haben, und welchen oft Anschauungen zu Grunde lagen', die, wie E. sagt, »der Forschung keineswegs für alle Zeiten standhielten« als eine vorübergehende Episode in der mehrtausendjährigenGeschichte des israelitischen Gottesdienstes erscheinen werden. Die für den Historiker notwendige zeitliche Distanz ist noch zu kurz, um über die historische Bedeutung mancher neuzeitlichen Erscheinung ein Urteil fällen zu können. Das erwähnte Kapitel ist aber auch das einzige, bei welchem eine viel knappere Form möglich gewesen wäre. Bei all den anderen Abschnitten muß gerade die Kürze, die gedrängte Form der Dar* Stellung bewundert werden. Besonders gelungen ist der erste Teil des Werkes. Wie ein Baumeister einen Riesenbau, an welchem viele Generationen gearbeitet