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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 6 · p. Seite 429

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 6
Article
Die talmudische Literatur der letzten Jahre
Date
1916-01-01
Page
Seite 429 (sequence 3)
Language
German
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Die ialmudische Literatur der letzten Jahre. 4 29 daß der Verfasser allzuviel und allzu leicht Textkritik treibt und den alten Quellen gegenüber einen wenig respektvollen Ton anschlägt1)• — lm Sturm und Drang und Rausch der ersten größeren Produktion konnte der Verfasser nicht das richtige Maß und die richtige Distanz gewinnen. Wenn der Sturm sich legen wird und der Rausch sich verflüchtigen, dann wird der Verfasser einen tüchtigen Arbeiter auf dem Gebiete der jüdischen Wissen- Schaft abgeben. 1. Stein berg will in seiner Arbeit eine juristisch-dogmatische Darstellung der talnmdischen Lehre vom Verbrechen liefern. D. h. in der Hauptsache: die Bedingungen, unter denen nach talmudischem Recht eine Handlung zum Verbrechen wird, aus den einzelnen Fällen und Lehrsätzen ableiten, sie durch moderne juristische Begriffe ausdrücken und im »Sinne der Lücken — und Widerspruchslosigkeit« bearbeiten. Daß die Anwendung moderner Begriffe bei der Darstellung des talmudischen Rechtes nicht ohne weiteres zulässig ist, hat der Verfasser empfunden. Er rechtfertigt dies folgendermaßen: »Es ist überhaupt unmöglich, ohne jede Begriffe, die wohl Produkte חייה (S. 5, n. 12), חסדא für חסדא s. 27, N. 75 u. 0), דאמר für דאמר s. 28, N. 78 u. 0), שעור für שיעור (s. 51, N. 146), אמד für אמיד (s. 130, N. 320). Aber selbst die beste Vokalisation rabbinischer Texte kann höchstens in dem Sinne gut sein, daß sie nach Paradigmen bei Nöldeke, Brockelmann, Strack und Dalmann durchgeführt ist. Die Übertragung dieser Paradigmen auf rabbinische Texte ist aber pure Willkür. Warum werden nicht syrische und arabische Texte vokaiisiert und griechische akzentuiert? Nur die rabbinischen Texte sind vogelfret an ihnen darf jeder nach Herzenslust herumexperimentieren! Eine, Transskription wäre schon ein kleineres Übel, da sie die Texte nicht unmittelbar trifft und bei ihr auch nicht die Gefahr vorhanden ist, daß sie in die Kreise, wo man die rabbinischen Texte traditionell und daher wahrscheinlich auch richtiger liest, eindringe und Verwirrung anrichte. *) Vgl. z. B. S. XV, S. 2g, N. 82, Anm. 1; S. 55, Anm. 11; S. 66, N. 179, Anm. 5.

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