Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 2)
- Language
- German
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428 Die talmudisehe Literatur der letzten Jahre. Die Texte sind im allgemeinen sachgemäß und geschickt geordnet. Die Übersetzung ist im ganzen richtig und gut, wenn auch nicht konsequent durchgeführt, da zuweilen eine Stelle allzu wörtlich und eine andere wieder allzu frei übersetzt ist. In den erklärenden und kritischen Anmerkungen zeigt der Verfasser, daß er in die Quellen einzudringen versteht und ein selbständiges Urteil besitzt. Dem Hauptzwecke des Unternehmens, ausgewähite talmudisehe Texte in guter Übersetzung und systematischer Ordnung dem nicht hebräisch lesenden Publikum zugänglich zu machen, entspricht Gandz’ Arbeit vollkommen und liefert in den Anmerkungen einen auch für Fachmänner beachtenswerten Beitrag zur kritischen Behandlung der talmudischen Quellen. Leider kann ich das Werk nicht rückhaltlos loben aus folgenden Gründen: 1. Zu verurteilen ist es, daß die Texte, die doch programmmäßig »in der ursprünglichen Form und im antiken Gewände« wiedergegeben werden sollen, durch Weglassung der meisten Vokalbuchstaben1) entstellt wurden, Haben die Texte nicht schon durch die Hinzufügung der Vokalzeichen ihre ursprüngliche Form und ihr antikes Gewand eingebüßt2)? 2. Tadel verdient es auch, 1) Darunter haben aber auch manche Radikalbuchstaben zu leiden gehabt. So das י von לפי in לפיכך das hier לפכך (!) geschrieben wird. Vgl. S. 65, N, 72. 2) Taltm1dische3 besonders aramäische Texte zu vokalisieren, ist eine Sünde, die auch von anderen begangen wird. Wie die palästinischen und babylonischen Amoräer ihre Idiome gesprochen haben, kann man heute nicht sicher wissen, denn die traditionelle Aussprache ist nicht durchwegs einheitlich. Dann ist sie auch nicht »wissenschaftlich.« Es werden daher aus verschiedenen aramäischen, syrischen und mandäischen Grammatiken und nach eigenen Einfällen Vokaüsations- Systeme gemacht, um die talmudischen Texte in Ketten zu legen. Ein Vorgehen, das, weil reine Willkür, in der eigentlichsten Bedeutung des Wortes unwissenschaftlich ist. Da werden subjektive, vermutete, willkürliche und falsche Lesungen in bunter Menge festgehalten. Zahlreiche Beispiele sind zusammengestellt bei Bacher, Theologische Literaturzeitung 1908. S. 165 und Krauß, ZDMG. 1914, S. 208 ff. Aus Gamdz' Arbeit führt Krauß nur ein einziges Beispiel an, allerdings ein schweres: תלמז־ למר für תלמוד לומר. Dazu vgl. noch besonders Krauß, REJ. 1914, S. 176. Es gibt aber natürlich noch andere. Z. B. רבי חיה für T ־