Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Wesen und Mission des Judentums
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Wesen und Mission des Judentums. 4L3 hier bemerkt werden: Soll es möglich sein, daß der Geist zu der Selbständigkeit des Wollens vordringt, die wir als Kenn- Zeichen echter Ethik dargestellt haben, nämlich zu der Selbs-tändigkeit, bei welcher das Wollen nicht dieses und jenes Wertlose der Wirklichkeit einfach hinnimmt und sich auf dessen Setzung bezw. Erhaltung richtet, sondern die Umbildung des Vorhandenen zu dem absolut Wertvollen, sich dauernd in der Art der Kraftbetätigung Erhaltenden und dadurch den Willen absolut Befriedigenden anstrebt, so muß zu der Bildung eines solchen Willensziels die Möglichkeit in den Elementen, d. h. in der Erkenntnis der Welt, geboten sein. Die Gedankenwelt muß die Bildung eines solchen Willenszieles zulassen und erzeugen. Die Elemente der Welt, nämlich der Anschauung und des Denkens derselben, müssen einem dazu geeigneten Geiste die Bestandteile darbiefen, aus welchen sich ihm jene Idealwelt, das messianische Reich nach der Vorstellung der Propheten, zusammenfügt. Zur Entstehung der ausgeprägten Willensrichtung der Gerechtigkeit gehört als Grundlage eine eigenartige Erkenntnis der Welt, ihrer Kausalität, des Zusammenhangs ihrer Teile, des Aufeinanderwirkens derselben. Letzteres muß sich dem Geiste so darstellen, daß es nicht zur gegenseitigen Verschlingung, sondern zur ständigen gegenseitigen Erhaltung der Teile führt. Es handelt sich hier um Elemente des Geistes, deren Erörterung in der allgemeinen Philosophie und Analyse des Geistes ihren Platz hat In diesem weiten Umfange kann hier das Thema nicht behandelt werden. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, daß es einer solchen breiteren Philosophie als Voraussetzung bedarf, um das Wesen des Judentums und der Ethik für den heutigen Leser und Denker zu erklären. Die naturhistorische Eigenart des Judentums besteht aber gerade darin, über jene Bausteine und Elemente des Denkens, die die Grundlage bilden, kraft eigenartiger Befähigung zur Bildung der entwickelten Endinhalte des Willens hinwegzu-