Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 5 · p. Seite 399

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1916-01-01
Page
Seite 399 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829879-2893775--42386-2893862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 399 allerdings nur mittelbar aus mohammedanischen Quellen entnommen hat, weist Yahuda nach. Ein besonders interessantes und lehrreiches Kapitel bildet die Darstellung des Verhältnisses der »Herzenspflichten« zu den Sufis und der Literatur des sogen. Zuhd, der asketischen Richtung, die auch ziemlich stark von Gazzäli vertreten wird, S. 103 ff. Mit Recht weist hierbei Y. darauf hin, daß trotz aller Sympathieen, die Bachja einem strengen und enthaltsamen Lebenswandel entgegen bringt, er dennoch, gemäß der Auffassung des Judentums, nicht die wahre Frömmigkeit in der Übung einer ins Büßermäßige sich verlierenden Askese erblicken kann. Als interessante Ergänzung hierzu möchte ich eine Bemerkung Abraham Maimunis in seinem Kommentar zu Exodus 19, 61) anführen, wo er betreffs der von Gott an Israel gestellten Forderung, ein גוי קדוש zu sein, ausführt, daß, während bei anderen Völkern eine große Kluft vorhanden ist zwischen den in mönchischer Askese lebenden und den im ausgelassensten Lebensgenuß Schwelgenden, das Judentum hingegen einen solchen Gegensatz nicht kennt. — Zu den von Yahuda erwähnten Benützern der Zuhd-Literatur wären noch hinzuzufügen der erste jüdisch-arabische Lexikograph Juda Ibn Koreisch und der Dichter Mose Ibn Esra2). — Im einzelnen wäre noch betreffs der von Yahuda angeführten mohammedanischen Quellen zu erwähnen, daß für manche Aussprüche doch auch Parallelen aus dem rabbinischen Schrifttum anzugeben wären. Wenn z. B. Bachja im שע9* התשובה, Abschn. 5 die Enthaltsamkeit selbst voii erlaubten Genüssen anempfiehlt, so müssen wir unwillkürlich an die Verhaltungsregel der Rabbinen denken: קדש עצמך אף במותר לך in b. Jebamot 20a. Wenn ferner angeblich Muhammed auf einen Frommen hinweist, der jeden Morgen im Voraus die Beleidigungen, die ihm im Laufe des Tages angetan werden könnten, seinen Feinden verzieh, so findet dies seine Parallele In dem, was im Talmud b. Megilla 28 a, von Mar Sutra erzählt wird, daß er, bevor er des Nachts sein Lager aufsuchte, alle Kränkungen mit den Worten שרי לבל מאן דצארן vergeben hat. — Recht dankenswert ist es auch, daß Yahuda die תוכחה und die בקשה Bachjas beigegeben hat. ג) Vgl. hierzu das arabische Original in meiner als Beilage zum Programm des Rabbinersemitiars für 1914 erschienenen Arbeit über Abr. Maimuni und seinen Pentateuchkomm., S. 62—63. 2) Vgl. meine Studie: Die hebr.-arab. Sprachvergleichung des j. b. K. in Monatsschi1900 .־, S. 492, und ibid. Anm. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.