Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau (1742-1745), und seine Zeit
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
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Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau. 385 gemeinden verlangten jetzt Sitz und Stimme bei der Rabbinerwahl. Krakau wollte ihnen aber dieses Vorrecht keineswegs einräumen. Es kam daher zu unangenehmen Auseinandersetzungen, und beide Parteien appellierten, wie es auch anderwärts in Polen gang und gäbe war, an den Wojewoden. Da nun aber zwei Wo je wo den in dieser Angelegenheit zu entscheiden hatten, der Wojewode von Krakau und der von Sandomierz, so wuchsen die Kosten, die dona charitativa, die Gaben ad captandam benevolentiam,, ins Unendliche, und oftmals mußte der König selber die Entscheidung treffen. Es kam sogar zu einer vorübergehenden Teilung der Landsmannschaft in einen oberen und einen unteren Kreis 1 גליל העליון וגליל התחתון). Noch immer aber blieb der einheitlich oder nur von einem Teil gewählte und vom Wojewoden bestätigte Krakauer Rabbiner Landesrabbiner für die ganze Krakau- Sandomierzer Landsmannschaft. Das war die offizielle Beliennung für die kleinpolnische Landsmannschaft. Das Krakauer Rabbinat, zu dessen Bekleidung wissenschaftlicher Ruf und tiefe und gründliche Gelehrsamkeit unentbehrlich waren, verlieh seinem Inhaber aber auch eine außerordentliche Machtstellung. Reiche Familien in Kleinpolen strebten darum mit Eifer darnach, dieses einflußreiche Amt für ihre Angehörigen zu erlangen. Auch in den Provinzstädten saßen auf den Rabbinatsstühlen Mitglieder einflußreicher Familien, und so suchte man durch die Rabbiner Einfluß auf die Vorsteher, und durch diese Einfluß auf die Christliehen Machthaber zu gewinnen. Selbstverständlich war hierbei auch die Geldfrage wesentlich. Die Gemeinden waren tief verschuldet, ja sie erstickten fast unter der Schuldlast. Von regelrechten Haushaltsplanentwürfen war schon gegen Ende des XVII. Jahrhunderts nicht die Rede, und die Moratorien konnten auch nicht viel helfen. Was Wunder, daß bei der Besetzung aller Gemeindeämter, und besonders der Rabbinate, die Korruption zu Gunsten der Gemeindekasse, und nicht am letzten Ende auch zu Gunsten einzelner Bürger, eine große Rolle spielte. l) Dembitzer: Kritische «Briefe מכתכי בקרת, S. 37. Monatsschrift, 60. Jahrgang. 25