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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 5 · p. Seite 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 5
Article
Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau (1742-1745), und seine Zeit
Date
1916-01-01
Page
Seite 386 (sequence 6)
Language
German
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386 Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau. Man darf jedoch nicht meinen, daß nur in jüdischen Angelegenheiten so viel Unordnung herrschte. Das wäre weit gefehlt. Die Rabbinerfrage und die Judenfrage überhaupt war nur eine mehr oder minder wichtige Seite der großen Mißwirtschaft im ganzen Lande, d. h. bei den Christen sowohl als auch bei den Juden. Schon seit dem großen Kriege in den Jahren 164S bis 1660 ging das Reich immer mehr der Auflösung jeder Staatsgewalt entgegen, und auch hier, wie anderswo, »jüdelte es sich gerade so, wie es sich christelte«. Wenn Reichstage, an denen König und Senat teilnahmen, durch das Veto eines einzigen wahnwitzigen oder bestochenen Abgeordneten aufgelöst werden konnten, warum sollte dasselbe bei den Judentagen nicht auch geschehen können! Hier der Schlüssel zur Lösung so mancher schwierigen Frage, und wesentlich nur von diesem Gesichtspunkt aus kann die Geschichte der jüdischen Gemeinden und Landsmannschaften in Polen betrachtet und verstanden werden. II. Wie bekannt wurden die Juden im Jahre 1495 aus Krakau vertrieben1) und besetzten sich seitdem in der Nachbarstadt Kasimir. Nur die Weichsel trennte die beiden Städte von einander. So konnten die Juden am Kasimir wohnen und in Krakau ihren Handel treiben. Dagegen protestierten selbstverständlich die Krakauer Kaufleute, und es kam zu langwierigen Prozessen, die erst mit dem Falle Polens ihr Ende nahmen. Während dieses Streites wurden die Krakauer Bürger mehrmals ungeduldig und versuchten mit Gewalt den Judenhandel zu unterbinden. Hier die Ursache blutiger Pogrome und gewaltiger Plünderungen, hier der Grund unzähliger Ritualprozesse und Hostien-Schändungen. Nichtsdestoweniger kam es immer wieder nach dem Ausbruch einer derartigen Volkswut zu einem Vertrage zwischen den Juden und dem Stadtmagistrat, in dem der Juden- 1J Balaban: Jakob Polak, der Baal Chillükim in Krakau, und seine Zeit, Monatsschrift, 1913, S. 68.

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