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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 5 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 5
Article
Latente dis legomena
Date
1916-01-01
Page
Seite 367 (sequence 20)
Language
German
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Latente ölg keyo/Lieva. 367 Es verrät einen ebenso scharfen wie tiefen historischen Blick, den ersten Schritt zur Gründung der römischen Weltmacht auf den Tag zu verlegen, an welchem Salomoh die pharaonische Königstochter heimgeführt hat, Große weltgeschichtliche Prozesse wickeln sich zuweilen erst im Verlauf vieler Jahrhunderte ab, und gar mancher, welcher sein Volk zur ragendsten Höhe emporgeführt, hat ihm zugleich den Todeskeim eingeimpft Nicht an der Übermacht der römischen Weltherrschaft, sondern an seiner bis auf Salomoh zurückreichenden moralisch-sittlichen Schwäche ist der jüdische National-Staat zugrunde gegangen. Ohne diese hätte jene über Jerusalem keinen Sieg davontragen können. Wenn nun der Agadist kühn behauptet: lange, lange bevor es ein Rom gegeben, sei es bereits eine in Gottes Rat beschlossene Sache gewesen, auch das Reich Juda zu zerstören, so zeigt er für die Verbindung Salomohs mit der Pharaonentochter ein tiefes, welthistorisches Verständnis. Und dennoch glaube ich, hat dieser geistvolle Agaganze Sect. 52 fehle in der Handschrift. Nun, die erste Behauptung ist eine irrtümliche, denn im Jalkut zu II. K. R. 196־ fehlt bloß der Schluß unseres Alineas וביו□ שהעסיד ירבע□ וכר׳. Und was die Handschrift betrifft, kann nur der Kommentar R. Hiilels gemeint sein; dort fehlt jedoch, wie Fr. behauptet, die ganze Sectio 52. Oder kann vielleicht die ganze Sectio eine Glosse sein? Ich halte dieses Alinea nicht allein für tannaitisch, sondern auch für sehr alt, und glaube nicht, daß seine tannaitische Provenienz von demjenigen bezweifelt werden kann, welcher mir hinsichtlich seiner Grund- und Unterlage beipflichtet. In den Talmüden und im Midrasch wird diese Agadah verschiedenen Amoräem in den Mund gelegt, und diese Namensverschiedenheit scheint mir ein Beweis dafür zu sein, daß diese Amoräer nur als Referenten auftreten. Im Jer., Abod. sar. 1,2 u. Cant. rab. zu I, 6 ist es R. Levi, im Babli, Sabb. 56 b und ebenso im Jalkut ist es Rab Jehudah im Namen Samuels, Sanh. 21 b wieder R. Jizchak. Philologen freilich werden jer. Ab. sar. schon deshalb als Primärquelle betrachten, weil daselbst anstatt שרטון oder לחלוחית die Lesart שלעטים gebracht wird. Mir jedoch scheint . die Stelle im Jer. u. Cant. rab. schon deshalb keiner allzufrühen Zeit anzugehören, weil nicht der Erzengel Gabriel, wie im Babli, sondern Michael als derjenige genannt wird, welcher die Grundlage Roms ־zu schaffen berufen ist.

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