Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Latente dis legomena
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 3)
- Language
- German
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350 Latente öig keyöfisva. רוח הקדש1)/ והאבן גדולה, זו שמחת בית השואבת. Diese agadische Auslegung von Gen. 29,2 nimmt unter den sechs verschiedenen, welche den Namen R. Chama bar Chaninas tragen, den zweiten Platz ein; nichtsdestoweniger dürfte sie nicht allein die weitaus älteste, sondern auch die am besten fundierte sein. Wir sind nämlich in der glücklichen Lage, den Ideengang des ersten Agadisten bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen und so feststellen zu können, daß er nicht von dem Worte באר ausgegangen, sondern daß es ihm vor allem darum zu tun gewesen ist, den »großen Stein« vom Brunnen zu wälzen. Unmöglich kann R. Chama bar Chanina der Autor dieser zweiten Erklärung sein, nicht weil er sie in diesem Falle als die beste und einfachste an erster Stelle hätte bringen, sondern vielmehr aus dem Grunde, weil er die anderen fünf hätte ganz weglassen müssen. Es kommt überall darauf an, wie man eine Sache anfaßt. Wem die zwei Worte והאבן גדולה den Stein des Mirjambrunnens mit seiner schmalen Lichtöffnung, das große Synhedrion, das Verdienst der Väter, den Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes oder gar den bösen Trieb bedeuten, darf sich nicht dessen rühmen, daß er, wie der Patriarch ohne fremde Hilfe, den Stein von der Öffnung des Brunnens fortgeschafft. Rationell ist ausschließlich der Agadist vorgegangen, welcher Gen. 29,2 mit Gen. 28,22 in Parallele gestellt hat Das Wort והאבן ist nämlich ein big Xayöjusvov; es kommt in der ganzen Bibel bloß an den genannten zwei Steilen vor, und ein Agadist, der das weiß, müßte geradezu ein großer Stümper sein, wenn er zwischen dem Stein, den der Patriarch zum Fundament eines Gotteshauses bestimmt, und dem großen Stein, den derselbe Patriarch ganz allein fortgewälzt hat, keine Beziehung herausfinden könnte. Die Standsäule Jakobs ist im Lauf der Zeit zum großen Gottestempel geworden; das ist der erste Gedanke, den das öig Xeyößavov in der Seele des Agadisten auslöst, und der zweite der, daß man in diesem Tempel, wie das l) Vgl. jer. Sitk. 5,1, wo dieser Ausspruch im Namen R. josua ha-Levis und Jalkut Machir zu Jes. 12,3, wo er anonym gebracht wird.