Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 24)
- Language
- German
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844 Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. enthält, zum Mittelpunkt rabbinischer Vorbereitung gemacht wurde: so wüchse ohne Zweifel der Zudrang in bedeutendem Maße. Wir wollen nicht fragen, ob für die Universität in jeder Beziehung die Vermehrung dieses Elementes zu wünschen wäre. Aber auf jeden Fall müßten für die Unterstützungen neue und nicht unbeträchtliche Quellen gefordert werden, wenn nicht unbillige oder gar harte Beeinträchtigungen anderer Studierenden entstehen sollten. Die Behörden der Universität haben immer gern und ohne Unterschied des Glaubens geholfen, wo es Not war, und so weit die bereiten Mittel reichten. Desto offener darf dieser Übelstand, der unfehlbar eintreten würde,. von uns erwähnt werden. Es ist endlich in dem früheren Berichte ausgeführt worden, daß die Fakultät, wenn sie die eigene Gründung einer partikularistischen Professur ablehnt, damit keineswegs wissenschaftliche Bestrebungen, welche sich auf jüdische Geschichte oder rabbinische Literatur richten, auszuschließen denkt. §ie hat immer nach allen wissenschaftlichen Richtungen hin Habilitationen angenommen. Wenn sich daher bei ihr für jüdische Geschichte und Literatur, und nicht bloß für rabbinische Schriften oder talmudisches Wesen ein Gelehrter zum Privatdozenten melden würde, der mit den allgemeinen Forderungen deutscher Wissenschaft dfe besonderen erfüllte, welche die Statuten der "Fakultät stellen, so würde sie ihn zur Habilitation zulassen; und sie hat es gern gesehen, daß im vorigen Jahre ein Mann von philosophischer Bildung und umfassender linguistischer Kenntnis, Dr. Steinthal, bei seiner Habilitation auch das Rabbinische als einen Gegenstand bezeichnete, auf den er seine Vorlesungen auszudehnen denke. Aber es wäre der verkehrte Weg, wenn man von vornherein für eine partikulare Disziplin, welche ihre wissenschaftliche Bedeutung erst beweissn und bewähren soll, eine Professur gründen wollte. Keine der Disziplinen, welche, in neuerer Zeit in die Universitätsstudien aufgenommen würde, hat sich von oben her einsetzen lassen, sondern alle haben sich von unten auf emporgearbeitet. Die rabbinische Literatur kann keine Bevorzugung in Anspruch nehmen.