Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. 343 den Talmud als eine Fundgrube für die Dogmatik hingewiesen. Ausdrücklich wird die Universität Berlin für die Stiftung darum ausersehen, weil hier »viele Theologen« studieren, »die sich dem Rabbinat weihen, und denen eine bessere Kenntnis des Talmuds unerläßlich sei.« Auch möchte ein eigentümliches, ein partikulares Interesse aus einer Äußerung am Schluß der zweiten Denkschrift hervorblicken. Denn dort heißt es: »Jetzt noch findet sich unter den Juden eine große Zahl von Männern, die ausgebreitetes Wissen im Talmud mit allgemeiner Bildung verbinden; in 30 Jahren wird die Bildung ebenso allgemein wie das talmudische Wissen seiten sein.« Es mag in diesen Worten ein jüdisches Bedürfnis ausgedrückt sein, aber schwerlich sprechen sie für die wissenschaftliche Bedeutung und die Zukunft des Lehrstuhls, dessen Errichtung in Antrag gebracht wird. Schwerlich soll die beantragte neue Professur lediglich den theoretischen Zweck haben, ein sonst untergehendes Wissen der menschlichen Wissenschaft zu erhalten. Sollte aber die Professur mit dem Nebengedanken ausgestattet werden, das jüdische Wesen in seiner Be- Sonderheit, in seinen 13000 Cerimonialgesetzen — die Eine Denkschritt gibt diese Zahl an — geistig zu stützen und zu bekräftigen: so würde uns dies, wie wir früher bereits ausführten, als ein Mißbrauch der Universität, insbesondere der philosophischen Fakultät erscheinen, die für ihre Lehrfächer nur den inneren Gehalt der Wissenschaft zum Maßstabe nehmen darf, und in der, wie ihre Statuten ausdrücklich vorschreiben (§ 2), keine äußere Zweck״ mäßigkeit das reinere wissenschaftliche Interesse verdrängen soll. Es ist allerdings richtig, daß in Berlin, wie die eine Denkschritt zur Begründung des Bedürfnisses erwähnt, verhältnismäßig viele Juden studieren. Aber in dieser Beziehung müssen wir ebenfalls wiederholen, was als ein besonderer, wenn auch untergeordneter Umstand in unserem früheren Berichte erwähnt wurde. Die jüdischen Studierenden meistens unbemittelt, oft in drückender Armut, nehmen einen großen Teil der Benefizien in Anspruch, deren Fonds überdies in den letzten Jahren abgenommen haben. Wenn unsere Universität, wie das Gesuch dazu den ersten Schritt