Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 20)
- Language
- German
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340 Zimz im Verhehr mit Behörden und Hochgesteliten. Spruch nehmen, so ließe sich für sie ebenso wenig als für die arabische oder scholastische eine eigene Professur stiften. Darf doch nicht einmal die griechische Philosophie, die schöpferischer ist als alle, ein solches Vorrecht ausüben. Die jüdische Geschichte und Literatur hat noch eine eigentümliche philologische Seite, deren Wichtigkeit nicht verkannt wird. Indessen ist für das Hebräische an der Universität hinlänglich gesorgt; uud wenn man das Talmudische, obwohl Männer an der Universität sind, die es verstehen, vermissen sollte, so ist das ein Spezialinteresse, für welches etwa, wie in Leipzig Dr. Fürst für die rabbimsche Literatur, ein Lektor zu bestellen wäre. Es kann allerdings für das Studium des alten Testaments wichtig sein, daß die Universität einen vertrauten Kenner der rabbinischen Literatur besitzt, zumal dieselbe ohne einen im rabbinischen Wesen heimischen Mittelsmann bis jetzt ziemlich unzugänglich ist. Aber diese Beziehung wird die Errichtung einer eigenen Professur schwerlich rechtfertigen. Erst vor kurzem hat die Universität in ihrer Gesamtheit der ordentlichen Professoren die oft ausgeführten Bedenken wiederholt, welche sich der wachsenden Vermehrung der Professuren entgegen stellen. Die allgemeinen Gründe finden auch auf den vorliegenden Fall Anwendung. Schließlich darf ein besonderer, wenn auch untergeordneter Umstand nicht verschwiegen werden. Verhältnismäßig studieren auf unserer Universität viele Juden. Meistens unbemittelt, oft in drückender Armut, nehmen sie einen großen Teil der Benefizien in Anspruch, und die Universität hilft ihnen gern, so weit sie kann. Aber in mehr als einer Beziehung muß sich die Fakultät fragen, ob für die Universität eine solche Vermehrung dieses Elements zu wünschen wäre, wie unfehlbar eintreten würde, wenn unsere Universität zum Sitz rabbinischer Vorbereitung gemacht würde. Insbesondere müßte in einem solchen Fall auch auf neue Unterstützungsfonds Bedacht genommen werden. Wenn sich die philosophische Fakultät nach allem, was sie im Obigen erörterte, gegen den Antrag auf Errichtung einer