Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 19)
- Language
- German
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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. 339 eigene Professur für die Kulturgeschichte — es hätte schon eine solche nach den obigen Gesichtspunkten manches gegen sich — wie viel weniger ließe sich schon eine Professur für die jüdische Kulturgeschichte beantragen? — Was daher die philosophische Fakultät vor etwa einem Jahre gegen die Errichtung einer ordentliehen Professur der preußischen Geschichte, die doch sicher einer Hochschule im Mittelpunkt des preußischen Staates nahe läge, ausgeführt hat: das muß sie jetzt gegen den Antrag auf Gründung einer ordentlichen Professur für jüdische Geschichte einwenden. Wie es überhaupt in der Fakultät keine ordentliche Professur für spezielle Geschichte gibt, so kann es bei ihr auch keine für die jüdische geben. Eine eigentümliche Seite der jüdischen Geschichte und Literatur bildet die Religion, deren Bedeutung für eine preußische Universität dadurch steigt, daß sich eine beträchtliche Zahl der Bewohnerdes Landes dazu bekennt. Indessen muß die philosophische Fakultät, sich selbst getreu, jede konfessionelle Beziehung, die grundsätzlich in den Kreis ihrer Lehrer hineingelegt würde, von sich abweisen. Zwei preußische Universitäten, die neben der evangelischen auch eine katholische theologische Fakuliät in sich begreifen, haben ausdrücklich in der philosophischen Fakuiiät katholische Lehrstühle der Philosophie und Geschichte. Die hiesige philosophische Fakultät hat jeden solchen Unterschied, als ihrem Wesen fremd, stets von sich fern gehalten. Was bei ihr dem Bekenntnis der im Lande so viel zahlreicheren Katholiken nicht eingeräumt wurde, kann sie dem jüdischen nicht zugestehen. Am wenigsten kann sie ihrer Natur nach zugeben, daß ihr der Keim zu einer jüdischen theologischen Fakultät eingeimpft werde. Der Träger der jüdischen Religion ist ein Priestertum. Priester oder Rabbiner zu bilden, ist ein Gegenstand seminaristischer Anstalten, aber nicht eigentlich der Universitäten. Am wenigsten einer philosophischen Fakultät, welche, von keinem Positiven gebunden, die freie Wissenschaft vertritt. Wollte die jüdische Philosophie, wie sie in einem Philo oder Maimonides zu Tage gekommen, die Aufnahme in die philosophische Fakultät in An-